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Der Blick von unten

Mari Marcel Thekaekara

  
Wenn Menschen fünf Jahre nach ihrem ersten Besuch erneut nach Indien kommen, sind sie hocherfreut über die Veränderungen, die es im Land gegeben hat. Es sieht so aus, als ginge es unseren größeren Städten gut. Man kann jemanden in New York in Sekundenschnelle telefonisch erreichen. An jeder Straßenecke gibt es Münzfernsprecher. Diejenigen, die es sich leisten können, suchen sich ihr neues Auto aus einer ganzen Fülle von Modellen aus. Früher bestellte man einen Kleinwagen und wartete Monate, gar Jahre, bis man ihn bekam. Hier ist nicht die Rede von den 70% unserer Bevölkerung, die niemals ein Auto besitzen werden. Jetzt gibt es McDonalds und Kentucky Fried Chicken, und Baskin Robbins (BR) Eis für einen Dollar pro Kugel. Nur verdienen 70% der Bevölkerung einen Dollar pro Tag oder weniger, also können sie sich offensichtlich kein BR-Eis leisten. Diejenigen jedoch, die so hocherfreut über den Wandel sind, bekommen die Zahlen nicht zu sehen, die erklären, was der weltweite Freihandel den 70% antut, die weniger als ein BR-Eis am Tag verdienen. Kürzlich fand ein Seminar zur weltweiten wirtschaftlichen Verflechtung statt, bei dem Amitava Mukherjee, geschäftsführender Direktor von Actionaid India, erschütternde Statistiken vorstellte. Diese Zahlen waren um so erschütternder, als sie von der indischen Regierung veröffentlicht worden waren. Aus den Grafiken geht hervor, daß die Zahl der Armen in den 70er und 80er Jahren abnahm. Seit 1990 gibt es den umgekehrten Trend: Die Zahl der Armen steigt. Vor 1990 lag der Prozentsatz derjenigen, die unterhalb der Armutsgrenze leben, bei 31,4%. Heute liegt sie offiziell bei 40,1%. Aus privaten Quellen verlautet jedoch, daß die indische Planungskommission zwar jetzt 44% annimmt, aber nicht bereit ist, diese Zahl auch zu veröffentlichen.

      Wenn wir in Indien von einem Anstieg der Armen von auch nur 1% sprechen, dann handelt es sich um das Leben von neun Millionen Menschen, denn wir gehen von einer Bevölkerung von 900 Millionen Menschen aus. Wirtschaftswissenschaftler werfen gern mit Prozentzahlen um sich, und dann scheint das ganze Problem bloß ein intellektuelles zu sein. Wenn man jedoch von jenen 70% einige kennenlernt, bekommen diese Zahlen Gesichter. Dann kann man aus der Selbstgefälligkeit gerissen werden, zu der diese Zahlenakrobatik verführt. Auf die menschliche Ebene übertragen kann das folgendes bedeuten: Bei unserer Projektarbeit in den südindischen Nilgiris-Bergen (unter dem Namen ACCORD) erzählte mir Malu, daß sie vor fünf Jahren gewöhnlich 20 kg Reis für 2,75 Rupien (100 Rupien = 5 DM) pro Kilo in den staatlichen Lebensmittelgeschäften kaufte. Vor zwei Jahren durfte sie nur noch 12 kg Reis kaufen, wobei der Kilopreis auf 3,25 Rupien hochgeschnellt war. Um die gleiche Zeit wurden alle Hülsenfrüchte oder "Dals", die für die Mehrheit der Armen die einzig finanzierbare Proteinquelle darstellen, extrem teuer, nämlich von 10 bis 12 auf 20 bis 30 Rupien pro Kilo. Kurz darauf bemerkte das ACCORD-Ärzteteam, daß viele Frauen und Kinder des Mutter-und-Kind Programms, die laut unserer medizinischen Tabellen und Grafiken auf dem Weg zu guter Gesundheit gewesen waren, jetzt wieder unterernährt waren. Roopa und Deva, die leitenden ÄrztInnen des ACCORD-Gesundheitsprogramms, waren sprachlos angesichts dieser neuen Entwicklung. Es war, als ob fünf Jahre Gesundheitsarbeit zunichte gemacht worden waren. Dann erkannte Roopa, daß die Frauen früher ins Geschäft gingen, um für eine Rupie Dal zu kaufen, jetzt aber vom Ladeninhaber fortgejagt werden. Mit ihrer einen Rupie können sie nicht mehr eine Handvoll Dal kaufen wie vorher. Das Ergebnis ist Rückfall in Unterernährung. Es war für Roopa und Deva auch unerträglich, immer wieder mit ansehen zu müssen, daß ein unterernährtes Kind nicht auf stabilere Wirtschaftsverhältnisse warten kann. Das Kind ist einfach gestorben. Wenn die schwächsten Bereiche der indischen Gesellschaft auf diese Art und Weise eliminiert würden, gäbe es wahrscheinlich eine stabilere Wirtschaft. Das würde genau das beweisen, was die von Malthus beeinflußten Wirtschaftsexperten der Neuen Wirtschaftspolitik (NEP) der indischen Regierung unterstreichen wollen. Aber laut NEP-Theorie müssen einige Opfer gebracht werden, wenn die Wirtschaft nach der experimentellen Übergangsphase florieren soll. Wir müssen uns noch einmal den Statistiken zuwenden, um zu verstehen, warum unsere 70% weniger zu essen haben. In Indien gibt es nunmehr das vierte Strukturanpassungsprogramm (SAP) seit 1991. Wenn wir uns die Zahlen der jährlichen Lebensmittelproduktion ansehen, werden wir feststellen, daß sich die gesamte Getreideproduktion um 3,1% erhöht hat. 1991/92 lag diese Zahl bei 4,1% und 1992/93 bei 6,5%. 1993/94 sank sie jedoch auf 1,45%, 1994/95 gab es einen 1,59%igen Anstieg. Bei einem Getreidemengenanstieg von 1,5% und einem Bevölkerungsanstieg von 2% ist es wohl offensichtlich, daß weniger Lebensmittel zur Verfügung stehen. Es ist schon Ironie, daß arme Menschen weniger Reis und Dal essen, während reiche Kinder durch einen Preiskrieg in einigen Städten ihr Eis zu noch nie dagewesenen Spottpreisen bekommen. Unsere Theoretiker, die für die Liberalisierung sind, sagen uns klipp und klar, daß es während des Stabilisierungsprozesses, d.h. während der Umstellung von der alten sozialistischen Protektionspolitik, zeitweilige soziale Härte geben wird, die die nicht-organisierten niedrigsten Schichten der Gesellschaft betreffen wird. Diese Menschen sind landlose ArbeiterInnen und Handwerker in den indischen Dörfern und nicht in Gewerkschaften organisierte, ungelernte ArbeiterInnen in den Städten - sie machen 70% unserer Bevölkerung aus. Während also die oberen 30% ihren Lebensstil verbessern - es sind diejenigen, die die heißbegehrten Posten bei multinationalen Firmen bekommen und dadurch Kellogg's Cornflakes und Baskin Robbins Eis essen können - müssen die unteren 70% einfach darauf warten, bis die Wirtschaft stabil ist. Die Wirtschaftsexperten, die für die neue Wirtschaftspolitik sind, erklären nicht, wie sich diese Menschen ohne Sicherheitsnetz ernähren sollen, während die Wirtschaft stabiler wird und bis das verheißene Land - diese verbesserte Neuauflage des Wirtschaftswunders - schließlich auftaucht. Für wie lang ist die zeitweilige Härte geplant? Die Experten legen sich in ihren Antworten nicht fest. Wir müssen uns damit zufriedengeben, die Zeit ihre Theorien prüfen zu lassen.

      Es wäre nun logisch zu fragen, wie Strukturanpassung mit weltweiter wirtschaftlicher Verflechtung und GATT [ "General Agreement on Tariffs and Trade", heute WTO "World Trade Organization"] zusammenhängt und wie das die Wirtschaft eines Landes der Dritten Welt beeinflußt. Das steht alles in einem Zusammenhang, weil die indische Regierung, nachdem sie sich wie eine Bettlerin an die Weltbank und den Internationalen Währungsfonds (IWF) wandte, ein klares Diktat bekam: Liberalisierung oder ... ! Also hat sie die neue Wirtschaftspolitik verabschiedet, wodurch Strukturanpassung und Liberalisierung in Kauf genommen wurden. Die Unterzeichnung des GATT-Abkommens, die innerhalb Indiens heftig abgelehnt wurde, war Teil dieser Vorgabe. Es ist sehr schwierig, aus diesem Paket einzelne Teile herauszuisolieren. Zum Beispiel nimmt Indien unter dem SAP eine Neuorientierung der Produktionspolitik vor, um mehr zu exportieren und dadurch mehr Dollars einzunehmen, um damit wiederum die enorme Schuldenlast abzutragen. Unsere Regierung hat unterzeichnet und damit diesen Maßnahmen zugestimmt. Die Zahlen der Lebensmittelproduktion beginnen zu sinken. Das war zu erwarten, weil die NEP Anreize zum Anbau für den Export (cash crops) gibt. Also wird der Reisgürtel von Thanjavur (Bundesstaat Tamil Nadu), der als Reisschüssel Südindiens bekannt ist, zu einem riesigen Garnelenteich umfunktioniert, damit Krabben nach Japan exportiert werden können. Ähnlich werden in den Nilgiris-Bergen die Menschen von Regierungsbehörden aufgefordert, statt Lebensmittel Blumen anzubauen. Besondere Subventionen und günstige Kredite werden lanciert, damit Blumen für den Export angebaut werden. Diese neue Politik paßt sehr gut zu den multinationalen Konzernen, die nach der Unterzeichnung des GATT-Vertrages ins Land kommen. Diese Firmen bieten exotische Samen, Technik, Pestizide und Düngemittel für die Blumenzucht an. Das bei den Menschen vorhandene Wissen reicht nicht aus für Blumen, die westlichen Normen genügen und die Nachfrage der Verbraucher dort befriedigen müssen. Im Verhältnis dazu ist in diesen Gebieten die Lebensmittelproduktion in besorgniserregender Weise zurückgegangen, was dazu geführt hat, daß sich Menschen zusammengeschlossen und einige dieser Firmen überfallen haben.

      Ob man nun diese Kritik an GATT und Strukturanpassung als Katastrophenjournalismus von Wirtschaftskennern der Dritten Welt abtut oder nicht - es gibt eine erstaunliche Übereinstimmung bei Wirtschaftsexperten aller Couleur dahingehend, daß irgend jemand darunter leidet. Letztes Jahr habe ich während eines Besuchs in Großbritannien zum ersten Mal erfahren, wie Armut im Norden aussieht. Ich erkannte, daß die Auswirkungen der Globalisierung und des GATT in der ganzen Welt gleich aussehen, obwohl sie den Ländern des Südens mit subtilen und nicht ganz so subtilen Drucktaktiken durch die Regierungen des Nordens auferlegt werden. Diejenigen, die überall davon profitieren, sind die Eliten. Diejenigen, die darunter leiden, sind die Armen. In Großbritannien traf ich Gruppen im Raum Manchester, die mir erzählten, daß die britische Regierung multi-nationalen Firmen hohe Zuschüsse und Subventionen bewilligt habe, damit sie Fabriken bauten, die der lokalen Bevölkerung Arbeitsplätze sicherten. Die Firmen hatten das Geld - in Millionenhöhe - genommen und die Fabriken gebaut. Aber einige Jahre später schlossen sie die Fabriken, entließen ihre Angestellten und strömten nach Irland, wo sie höhere Zuschüsse und mehr Geld bekamen, um mehr Fabriken zu bauen und dort mehr Arbeitsplätze zu schaffen. Wenn ein einzelner Mensch ein solches Ding drehen würde, käme er wegen Betrugs vor den Kadi. Aber eine multinationale Firma wandert einfach weiter, und alles geht nach dem Motto: "Wir fragen nicht nach dem Warum". Sind das die Folgen davon, daß wir weltweit unsere Verantwortung nicht übernehmen? Warum kämen sie denn sonst ungeschoren davon? Wessen Interessen wird hier gedient? Jedenfalls nicht denen der britischen Regierung und ganz bestimmt nicht den Interessen der Arbeitslosen in Manchester, für die angeblich Millionen von britischen Pfund ausgegeben wurden.

      Ziel des GATT ist es, alle Handelsbarrieren abzubauen. Der zugrundeliegende Glaube - das Evangelium nach GATT - ist, daß der Profit im Vordergrund stehen muß - Gewinne, koste es, was es wolle. Die Menschen zählen überhaupt nicht. Der Grund dafür ist, daß diejenigen, die sich GATT ausgedacht, alle Entscheidungen getroffen und die Politik bestimmt haben, fast ausschließlich Firmenmanager waren, die alles nur unter dem Profitaspekt sahen und sehen. Und doch haben diese unternehmerischen Argumente ihre eigene, unverständliche Logik. Einerseits bestehen sie darauf, daß es keine Hemmnisse für den freien Kapitalfluß von Norden nach Süden geben solle. Arun Nehru, der Sprecher der indischen Delegation bei den GATT-Verhandlungen, knüpfte daran an. Wenn das Vermögen, nämlich Kapital, des Nordens frei fließen solle, so argumentierte er, dann folge daraus, daß das Vermögen des Südens, nämlich Arbeitskraft, ebenso ungehindert über Grenzen gehen sollte. Sowohl Arbeitskraft als auch Kapital seien unabdingbar für die Produktion, warum also solle man einen Unterschied zwischen ihnen machen? Es gab keine logische Antwort darauf, aber seine Argumentation wurde als absurd abgetan. Warum? Weil wir zu den kolonialistischen Strukturen zurückgekehrt sind, in denen der Süden sich an die Spielregeln des Nordens halten muß.

      Nur haben sich jetzt die Spielregeln leicht verändert. Es geht nicht mehr um die Menschen des Nordens. Es geht ausschließlich um den Vorteil einer Handvoll Profiteure. Während der Kolonialzeit wurden Rohstoffe wie Baumwolle von Indien nach Großbritannien transportiert, um englische ArbeiterInnen zu beschäftigen. Jetzt streben die Profiteure danach, den Menschen in ihren Ländern die Arbeit zu nehmen. Sie verlegen ihre Produktion in den Süden, nur um billiger produzieren zu können, denn es bedeutet niedrigere Löhne und garantiert mehr Profit. In Indien hat eine starke Bauernlobby den Betrieb des US- amerikanischen Agrar-Multis Cargill in Brand gesetzt, weil sie erkannt hatte, daß ihr über Jahrhunderte gültiges Recht, ihre eigenen Samen zu verwenden, von Aushöhlung bedroht wäre, wenn die patentierten Samen von Cargill immer mehr Verbrei-tung in Indien fänden. Jedoch kommen auf jede wachsame Gruppe, die ihre Rechte verteidigt, Tausende, die von den Multis geködert werden. Bangalore ist zum Beispiel zum "Silicon Valley" Indiens geworden; Computerfirmen der ganzen Welt strömen dorthin, um das Programmieren dort zu einem Zehntel der üblichen Kosten machen zu lassen. Die Gewerkschaften in Europa und den USA haben allen Grund, sich über die neue Tendenz der Produktionsverlagerung nach Süden Sorgen zu machen. Diese Senkrechtstarter in der Computerbranche sind die neuen Brahmanen in Indien. Nur sind sie alle aus der Mittelklasse und haben noch soziale Aufstiegsmöglichkeiten. Kurz, die steigenden Forderungen nach höheren Qualifikationen und mehr Technik seitens der Multis bedeuten mehr Arbeit für die Mittelklasse, aber auch mehr arbeitslose ungelernte ArbeiterInnen. Da es kein Sicher-heitsnetz gibt, ist die Frage zu stellen, wie sie die Übergangszeit überleben sollen.

      Angesichts dieser sich abzeichnenden Situation sind selbst die Regierungen des Nordens machtlos. Sie können dem Handel keine Schranken setzen. Wenn Gewinne mehr Arbeitslose im Norden bedeuten, für wen haben die Regierungen des Nordens dann das GATT befürwortet? Jedenfalls nicht für ihre Wähler, wenn sie nichts gegen den Verlust von Arbeit in ihren Ländern tun können. Vor kurzem ging das Gerücht um, daß die niederländische Fluggesellschaft KLM ihren Sitz nach Indien verlege. Das löste hier in Indien große Freude aus. Aber wie sieht es mit den Niederlanden aus? Wie ist es möglich, daß die nationale Fluggesellschaft ihren Sitz verlegt und damit Tausende von Niederländern arbeitslos macht, und das nur, um Kosten einzusparen? Es sieht so aus, als hätten wir weltweit einem barbarischen System zugestimmt, das den Arbeitslosenzahlen im eigenen Land keine Beachtung schenkt. Die treibende Kraft heißt: Profit um jeden Preis. Es ist bemerkenswert, daß politische Gruppen aus dem gesamten Spektrum die GATT innewohnende Gefahr zu spüren scheinen. Ich habe zugehört, wie marxistische Politiker über die Bedrohung der Landwirte durch GATT schimpften, ich habe aber auch einen leidenschaftlichen Reagan-Anhänger darüber reden hören, daß die Souveränität der amerikanischen Regierung in Gefahr sei. Menschen mit gesundem Menschenverstand müssen GATT einfach ablehnen.

      Die amerikanische Umweltgruppe Congress Watch bekämpfte GATT aus einer ökologischen Motivation heraus. Grüne Gruppen haben sich für eine Regierung eingesetzt und diese auch gewählt, die ihrer Meinung nach ihre Interessen vertritt. Nach einer längeren Auseinandersetzung haben sie den amerikanischen Kongreß davon überzeugen können, ein Verbot der Verwendung von DDT und anderen gefährlichen Chemikalien auf Anbauflächen gesetzlich festzuschreiben. GATT droht die umweltpolitischen Errungenschaften eines Jahrzehnts zunichte zu machen. Ist es erst einmal unterzeichnet, verliert die US-Regierung die Macht, über die DDT-Mengen zu entscheiden, gegen die dann wiederum die BürgerInnen protestieren können. Kinder vor Pestiziden zu schützen, ist zu einem unakzeptablen Handelshemmnis geworden. Die Entscheidung darüber liegt nun auf internationaler Ebene, bei einem in Italien angesiedelten Ausführungsorgan. Dadurch wird der US-amerikanische Kongreß zu einer machtlosen Gruppe, die nichts von alledem kontrollieren kann, was GATT verabschiedet. Tatsächlich haben die gewählten VertreterInnen der Völker ihre Macht über Entscheidungen in ihrem eigenen Land verloren. Die Menschen könnten genausogut an Wahltagen zu Hause bleiben. Zu welchen Preis wird hier die Demokratie geopfert? Um es einmal milde auszudrücken, scheint es schon Ironie zu sein, daß die USA, die mächtigste Demokratie der Welt, die leidenschaftlichste Befürworterin des GATT bleibt und damit doch eine der anti-demokratischsten Institutionen der Welt fördert! Wenn in fünfzig Jahren die Menschen etwas über die Wirtschaftstheorien dieses Jahrhunderts lesen, vermute ich, daß sie genauso ungläubig und erschreckt sein werden wie wir, wenn wir etwas über die Gedankengänge derer lesen, die die Sklaverei oder den Kolonialismus befürworteten und genügend Gründe dafür fanden, diese verwerflichen Systeme zu rechtfertigen. Aber wie es in der Geschichte immer so ist, wird es für manche Menschen zu spät sein.

aus: New Political Economy 1996, Vol. 1, No. 1. (Übersetzung: Yan-Christoph Pelz)


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