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Der Name "Gudalur" kommt
vom Tamilischen "Kudal" = "Zusammentreffen" und "ur" = "Stadt",
wenngleich es
auch andere Interpretationen des Namens gibt. Es gibt allerdings
eine gleichnamige Stadt Gudalur südlich der Verbindungslinie Madurai –
Cocchin. Das Gudalur, von dem hier die Rede ist, ist die
Hauptstadt des gleichnamigen Taluks
Tamil Nadus, liegt in einer Höhe von rund 1021 m am westlichen Fuße des
Nilgiri-Gebirges, wo dessen
Abhänge in das Tafelland des SO-Wynaads
übergehen.
Das Klima in diesem Gebiet ist –
im Vergleich zu anderen Teilen des Wynaad – durch seine nahe Lage zum
Nilgiri-Gebirge gemäßigt. Anders als dieses erhält es seine
Niederschläge jedoch fast ausschließlich durch den SW- Monsun (Juni, Juli, August), der hier
jedoch geringer als im übrigen Wynaad ausfällt, da Gudalur im
Regenschatten der Kundah Range
liegt.
Die Frühgeschichte der Stadt
Gudalur liegt weitgehend im Dunklen. Als erste BewohnerInnen gelten die
BewohnerInnen eines Dorfes des Kota-Stammes,
einige Angehörige des Kurumba-Stammes
und Angehörige des Paniya-Stammes,
welche sich über das gesamte Wynaad verteilen. Schon die
"Ur"-bevölkerung Gudalurs bestand somit aus verschiedenen Gruppen, was
für den Umgang seiner BewohnerInnen untereinander auch heute noch von
Bedeutung ist.
Bis in
die Kolonialzeit war das Gebiet um Gudalur-Stadt trotz seiner guten
Böden, bedingt durch die hohe Malariösität
[Die Bevölkerung des Wynaad weist eine erhöhte Rate an
Sichelzellenanämie auf, welche zwar vor Malaria
schützt jedoch die körperliche Leistungsfähigkeit deutlich
herabsetzt] des Wynaad, für Außenstehende – sieht man von
frühzeitlicher Goldgewinnung ab – nur von geringem Interesse. Es stand
unter der Regentschaft verschiedener Prinzen zu Mysore und wurde – gleichzeitig oder
wechselweise – auch von Herrschaftsfamilien aus Malabar beansprucht.
Auch seine zentrale Lage an der Abzweigung der Route Mysore – Malabar-Küste zum
Nilgiri-Plateau blieb solange ohne größere Bedeutung, wie Gudalur nur
eine Rolle als Handelsplatz für die dortigen Stämme darstellte.
Erst ab Beginn des 19.
Jahrhunderts, als die Briten auf dem Nilgiri-Plateau Abwechslung von
der Schwüle und Hitze der Plains suchten und dieses in einen intensiv
genutzten Wirtschaftsraum umwandelten, gewann die Stadt Gudalur an
Bedeutung. 1823 wurde der Gudalur-Paß ausgebaut, um so auch
Truppendurchmärsche von Bangalore
zur Malabar-Küste zu
erleichtern. Gleichwohl hielt sich der Verkehr auf dieser Strecke durch
die Malariabedrohung weiter in Grenzen.

Ab 1845 kam Gudalur die Rolle
eines Aus- und Zugangspunktes für den Urwald in Ouchterlony Valley
zu, der erst in Kaffee- und später in Teeplantagen umgewandelt wurde.
Nur aus diesem Grunde blieb Gudalur Hauptverwaltungszentrum, obwohl
Ouchterlony Valley doppelt so viele EinwohnerInnen aufwies.
Erst als es in den 50er Jahren
dieses Jahrhunderts gelang, die Anopheles-Mücke
effektiv zu bekämpfen, erlebte Gudalur einen Zustrom von
Arbeitskräften aus ganz Süd-Indien.
| Jahr |
1901 |
1910 |
1931 |
1951 |
1961 |
1971 |
1981 |
1991 |
| Einwohner |
2.558 |
2.558 |
3.268 |
5.207 |
8.328 |
15.558 |
21.983 |
32.603 |
Mit dem Abzug der Briten 1947 kam bald die Frage auf, wie die Grenzen
der indischen Bundesstaaten verlaufen sollten. Angeregt durch die
Tätigkeit der Linguistic Provinces Commission, welche die Grenzen
anhand von Sprachgebieten festlegen sollte, erwachte in Gudalur ein
sprachlicher und ethnischer Regionalismus. Dieser versuchte –
ungeachtet der historischen Diversität
Gudalurs –, mit wenigen realen und vielen erfundenen Gründen die Stadt
Gudalur jeweils der einen oder anderen Seite zuzuschlagen. Schließlich
wurde die Entscheidung von außen gefällt, so daß bald wieder Ruhe in
Gudalur einkehrte.
Die Bevölkerung Gudalurs stieg bis 1978 so stark an, daß Unterkünfte
nicht nur nach Nummern, sondern sogar nach Sub- und Sub-Sub-Nummern
unterteilt wurden. So gab es nicht nur eine Hausnummer N°17, sondern
auch eine N°17 F, eine N°17 F 5 und sogar eine N°17 F 5C. Wurde eine
Wohnung frei, so kam es – sehr zum Ärger der Zensoren, die mit der
Volkszählung beschäftigt waren – zu umfangreichen Reihenumzügen.
Hierbei kümmerte man sich wenig um Abstammung, Sprache oder
Glaubensrichtung der neuen NachbarInnen, da fast jeder ein Zuwanderer
war und entsprechende Unterteilungen infolge zu vieler
Kombinationsmöglichkeiten schnell zu extrem kleinen Gruppierungen
geführt hätten. So ist der Umgang der BewohnerInnen untereinander in
Gudalur auch heute noch unkomplizierter als in anderen indischen
Städten. Für die Zuordnung nach Glaubensrichtungen und Muttersprachen
ergab sich für das Jahr 1978 folgende Verteilung:
| Glaubensrichtung: Anteil in % |
hinduistisch 54,4 |
moslemisch 31,1 |
christlich 12,2 |
andere 2,3 |
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| Muttersprache: Anteil in % |
Malayalam 44,0 |
Tamil 39,7 |
Kannada 4,8 |
Telugu 4,2 |
Hindi / Urdu 4,0 |
Badaga 1,6 |
Quelle: Adams in Hockings
1989
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