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Die Teeplantage "Madhuvana"



  

 

Nach jahrelanger Planung konnte ACCORD im Juni 1998 schließlich mittels eines Kredites des Charities Advisory Trusts (UK) für die Adivasi des Gudalur-Tales die Teeplantage "Madhuvana" (d.h. "Honigwald") für 23 Millionen Rupies (rund 1,2 Millionen DM) erwerben, in welchen bereits eine Anschubfinanzierung für die Vermarktung enthalten ist.


Rückblick

Stan Thekaekara: "Als wir 1986 mit dem Teeprojekt anfingen, mußte ich von Feld zu Feld gehen und buchstäblich darum betteln, daß die Leute sich daran beteiligen. Immer wieder bekam ich zur Antwort: "Das geht doch nicht, wie können wir als Adivasis Teepflanzer werden!" So tief saß das Gefühl der eigenen Minderwertigkeit... Nun, wir konnten dann doch einige von ihnen überzeugen, es wenigstens zu versuchen, und die Erfahrungen waren gut. Heute sind 1.200 Familien mit 175 ha Land am Teeprojekt beteiligt, und jedes Jahr kommen 300 neue Familien dazu. Durch den Tee haben sie ein regelmäßiges Einkommen. Und was noch wichtiger ist: Diese Menschen werden sich ihr Land nicht wieder abschwatzen lassen, denn sie wissen nun, daß es einen Wert für sie hat. Gar nicht zu überschätzen ist auch der Prestigegewinn, denn Tee gilt traditionell als "rich man's crop", als Produkt der Reichen und Mächtigen. Die Adivasis haben an Selbstbewußtsein gewonnen. Um nicht als einzelne in die Abhängigkeit von Aufkäufern zu geraten, haben sie eine eigene Vermarktungskooperative gegründet, die ihre gesamte Ernte an eine lokale Teefabrik verkauft. Das hört sich einfacher an als es ist, denn die Pflanzungen sind weit voneinander entfernt. Ein hohes Maß an Organisation ist nötig, um den Tee am gleichen Tag zu ernten, zur Sammelstelle und weiter zur Fabrik zu bringen."


Lage

Die Plantage liegt ca. 5 km, was infolge von Wegsteigung (um 25°) und -zustand rund einer Stunde Fahrtzeit entspricht, südlich von Devala in ca. 700 m Höhe am steilen Abstieg ins Nilambur-Bassin. Ihre Gesamtfläche von 176 [nach den Angaben im Kaufvertrag, vermutlich jedoch mehr als 200] acre (= 71,2 Hektar) verteilt sich auf folgende Nutzungen:

  • Der größte Teil der Plantage dient dem Tee- bzw. Kaffeeanbau (rund 80 acre bzw. 20 acre, d.h. 32,4 Hektar bzw. 8,1 Hektar), wobei die Fläche des ersteren - je nach Entwicklung der Tee-preise - eventuell noch auf 100 acre ausgedehnt werden soll. Ein weiteres Plantagenprodukt ist Pfeffer, welcher an den Schattenbäumen für die Tee- und Kaffeesträucher emporrankt.
  • 50 acre (= 20,2 Hektar) - hauptsächlich sehr steile Hänge im östlichen Teil Königskobra- sind von relativ unberührtem primärem Urwald bewachsen, in welchem verschiedenste Tiere (u.a. Elefanten, Leoparden, Pythons und wohl auch eine Königskobra) l  eben, die immer wieder in die Plantage einfallen, dort Schäden verursachen oder für die Arbeiter gefährlich werden. Gleichwohl soll dieser Teil als Urwald erhalten bleiben (s.u.) und sein Bestand an Tieren und Pflanzen mit Hilfe von Schülern aus der Rishi Valley Schule in Madanapalle dokumentiert werden.
  • Die verbleibenden mindestens 26 acre (= 10,5 Hektar) werden z.Z. (vermutlich) nicht genutzt und sind als Brachland mit älteren Teesträuchern bewachsen.


Ziele der Plantage

Mit dem Kauf der Plantage verfolgt ACCORD fünf Ziele zugunsten der Adivasi:
  • Die Plantage dient - wie schon das erfolgreiche Modell der Teepflanzenaufzucht - der Steigerung von Ansehen und Selbstbewußtsein der Adivasi, da der Besitz einer Teeplantage einen hohen sozialen Status verleiht.
  • Durch die Plantage entstehen Arbeitsplätze mit menschenwürdigen Arbeitsbedingungen für die Adivasi; Arbeitsbedingungen, die in der Region nicht überall Normalität sind.
  • Mitarbeiter von ACCORD werden die Adivasi auf der Plantage in Plantagen-Management und Tee-Weitervermarktung ausbilden, so daß diese in absehbarer Zeit die Leitung der Plantage sowie den Vertrieb von Tee und der anderen Plantagen-Produkte übernehmen können.
  • Entsprechend ihrer Tradition bewirtschaften die Adivasi die Plantage gemeinschaftlich bewirtschaften und nutzen sie als Kollektiveigentum. Ein Teil der Gewinne wird so zur Finanzierung ihrer Sozialeinrichtungen (v.a. Krankenhaus und Schulen) verwendet, welche der gesamten Adivasi-Gemeinschaft im Gudalur-Tal zur Verfügung stehen. Für die Adivasi bedeutet dieses Modell aber auch aus einem anderen Grunde eine kulturell angepaßte Lösung: Die Wälder, die während der letzten 2 Jahrhunderte von Großgrundbesitzern enteignet und gerodet wurden, waren zuvor im Gemeinschaftsbesitz der Adivasi gewesen und ihrem Gemeinschaftswohl zugute gekommen. Zwar sind diese Wälder unwiederbringlich zerstört, doch kann nunmehr die Plantage an ihre Stelle treten und deren Aufgabe, Grundlage für das Gemeinschaftswohl zu sein, übernehmen. So trägt sie zur Bewahrung traditioneller gesellschaftlicher Werte der Adivasi bei.zum Adivasi-Tee-Projekt
  • Jener Plantagenteil, der von relativ unberührtem primärem Urwald bewachsen ist, soll es den Adivasi ermöglichen, ihr traditionelles Wissen über Heilpflanzen zu erhalten bzw. wiederzufinden und an kommende Generationen weiterzugeben.

Anbau, Verarbeitung und Absatz

Auf der Plantage arbeiten derzeit 66 Frauen als Pflückerinnen, welche für eine Mindesternte von 20 kg pro Tag und Person 53 Rupien erhalten. Sie ernten die obersten, ca. 15 Tage alten Teeblätter per Hand [Andere, kommerzielle Plantagen benutzen zur Ernte eine Art Heckenschere mit Fangkorb; ein Verfahren, das eine höhere Tagessammelleistung pro Person mit sich bringt, aber durch das Zerschneiden der Blätter keine hochwertige Teequalität zuläßt] und sammeln so auf der gesamten Plantage um 1000 kg [Zum Vergleich: "Parry Agro" sammelt auf seinen Plantagen pro Tag 80 t frische grüne Teeblätter] frische grüne Teeblätter pro Tag. Die Produktionrate ist während des Monsuns am höchsten, doch ist zu dieser Zeit die Arbeit auf der Plantage durch Dauerregen (ca. 2000 mm in vier Monaten), lästige Blutegel und schlammig-steilen Untergrund auch besonders anstrengend. Außerdem arbeiten auf der Plantage 60 festangestellte Männer in der Plantagenbewässerung und -bewirtschaftung, sowie 11 Männer als Vorarbeiter und in der Verwaltung, welche gemeinsam mit den Sangam-Führern durchgeführt wird. Männer und Frauen werden auf der Plantage für gleiche Arbeiten - was sonst in der Region nicht die Regel ist - auch gleich bezahlt. Alle Angestellten sind Adivasi, welche in ihren Dörfern nahe der Plantage wohnen und täglich zu Fuß zur Arbeit kommen, doch werden bei akutem Bedarf auch Nicht-Adivasi eingestellt.

       Die frischen grünen Teeblätter werden zweimal täglich mit einem alten, selbst für indische Verhältnisse desolaten Jeep 15 km weit in eine Teefabrik nach Kappala gefahren, wo sie gemeinsam mit Tees anderer Plantagen der Region gemischt und weiterverarbeitet werden. Da diese anderen Tees konventionell, d.h. unter Einsatz von Pestiziden, angebaut werden, hat es zur Zeit keinen Sinn, die Adivasi-Plantage bio-dynamisch zu betreiben. Gleichwohl bleibt der bio-dynamische Anbau ein Ziel der Plantage, welche umgestellt werden wird, sobald eine getrennte Weiterverarbeitung möglich ist (s.u.). Im Laufe des Verarbeitungsprozesses werden aus einem Kilo frischer grüner Teeblätter 250 gr schwarzen Tees.

       Der von der Adivasi-Plantage produzierte Tee wird zu rund 90% in Indien vermarktet. Die restlichen 10% werden - vor allem, um das Projekt bekannt zu machen - auch in Europa v.a. durch Direktvertrieb angeboten.



Adivasi-Tea-Leaf-Marketing

Rund 350 Adivasi-Familien der Region haben sich zur Kooperative "Adivasi-
Tea-Leaf-Marketing" zusammengeschlossen, um ihren im kleinem Maßstab angebauten Tee dremal wöchentlich mittels eines gemieteten Lasters oder Jeeps zur Teefabrik "Parry Agro" zu transportieren und dort gemeinsam zu vermarkten. Pro Kilo frischer grüner Teeblätter erhalten sie 4 Rupien (0,20 DM) Vorschuß pro Kilo und Tag sowie Mitte des Monats einen Ausgleich zu den Weltmarktpreisen. Die Zahlung dieses festen, vom Weltmarktpreis unabhängigen Vorschusses an die Kooperative der Adivasi ist in der Region bislang einmalig und ein großer Fortschritt für die Adivasi, da sie nunmehr über ein regelmäßiges, festes Einkommen verfügen. Diese Mindesteinkommen beträgt durch die 1200 kg/Tag der "Adivasi-Tea-Leaf-Marketing" und die 1000 kg/Tag der Adivasi-Teeplantage "Madhuvana" rund 8000 Rupien (400 DM) für die Adivasi-Gemeinschaft des Gudalur-Tales.



Aussichten

Nächstes Ziel von ACCORD sind der Kauf eines neuen LKWs für den Transport der Teeblätter und in ferner Zukunft der Erwerb einer kleinen, eigenen Teefabrik, um durch eine getrennte Weiterverarbeitung die Umstellung auf bio-dynamische Produktionsverfahren zu ermöglichen und so höhere Gewinne erzielen zu können.

       Das Adivasi-Tee-Projekt hat sich - neben der Bildungsarbeit über die Situation der Adivasi - zum Ziel gesetzt, den Adivasi bei der Abzahlung ihres Plantagenkredites zu helfen. Damit wollen wir sicherzustellen, daß die Gewinne aus dem Teeverkauf alsbald vollständig zur unabhängigen und dauerhaften Finanzierung ihres Krankenhauses und ihrer Schulen eingesetzt werden können.



Teeverkauf in Deutschland

Tee von der Plantage "Madhuvana" erhalten Sie bei:

   Homepage "Schülerfirma Chameleon" dort Tee bestellen
   "Hammer Kommune" dort Tee bestellen


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ACHTUNG: Aktuelle Infos zum Tee und zum Teeverkauf gibt es hier ...
 
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Beide Organisation kooperieren mit dem Adivasi-Tee-Projekt und zahlen den Adivasi für den Tee zunächst einen gepa-ähnlichen Preis.

       Der in Deutschland entstehende Reingewinn wird außerdem nach folgendem Schema verteilt:

  • 50 % fließen an den Verkäufer in Deutschland,
  • mindestens 20 % - dieser Anteil soll in den folgenden Jahren erhöht werden - fließen als zusätzliche Gewinnbeteiligung an die Plantage zurück und
  • 30 % werden nach Absprache zwischen ACCORD, AMS und deutschen Verkäufer in gemeinsam beschlossene Projekte investiert.

Weg zur Teeplantage: Steigung 25° - 35° (letztere stellenweise) - das alltägliche Abenteuer; Fahrgeschwindigkeit: 4-5 km/h im Vierrad-Jeep; wird zweimal täglich in beide Richtungen befahren, was ruinös für das Fahrzeug ist - es wird dringend (selbst für indische Verhältnisse) ein neuer LKW benötigt.
 
Teeplantage
  
Teepflückerin
 
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