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Erzählungen der Adivasi

Gesammelt von Marianne Schnapauff



  

 

Der Fuchs und der Hase

Es war einmal ein Fuchs, der hatte großen Hunger. Also ging er in den Wald, um ein paar Früchte oder Gemüse zu finden. Aber er hatte keinen Erfolg; alle Bäume schienen leer gefressen zu sein und so ging er traurig wieder nach Haus. Da sah er einen Hasen im Schatten eines Baumes schlafen. Er weckte ihn auf mit den Worten: "Ich habe großen Hunger!" Der Hase bat den Fuchs, sich zu ihm zu setzen, und fragte ihn, was los sei. "Ich war zwei Tage lang krank und konnte nicht zur Arbeit gehen, jetzt habe ich kein Essen mehr im Haus und bin sehr hungrig." antwortete der Fuchs, dem schon der Magen knurrte. Der Hase hatte aber selbst gerade all seine Vorräte aufgegessen und deshalb eine Pause im Schatten gemacht. Die beiden überlegten gemeinsam, was sie nun tun sollten und wo sie Essen finden könnten. Da hatte der Hase Mitleid mit dem Fuchs und schlug vor, er könne sich auf der nahen Bananenplantage vollfressen. Dort habe der Landlord gerade eine Menge Bananenstauden gepflanzt und es gäbe keine Aufpasser; die Früchte fielen einfach so auf die Erde. Als sie dort ankamenm, glitzerten die Bananenblätter silbrig in der Sonne und ein leichter Bananenduft wehte ihnen entgegen. Auf einmal sahen sie jemanden auf sich zukommen. Der Hase bekam Angst, rief: "Da kommt der Plantagenbesitzer, komm schnell, laß uns abhauen!" und rannte davon. Der Fuchs aber guckte etwas genauer hin und als er sah, daß es nur eine Vogelscheuche war, wollte er den Hasen zurückholen, der war aber schon über alle Berge. Der Fuchs dachte sich, "gut, wenn der Hase Angst hat, lasse ich ihn laufen, ich aber werde essen." Nachdem er sich den Magen vollgeschlagen hatte, legte er sich mit seinem dicken Bauch unter die leergefressenen Bäume und schlief genau unter einer riesigen violetten Bananenblüte ein. Er schlief so tief, daß er nicht mitbekam, was um ihn herum passierte.

       Nachdem er ausgeschlafen hatte, wachte er mit einem langen Gähnen auf und wollte gerade wieder aufspringen, um weiter zu fressen. Da bemerkte er um sich herum alle Plantagenarbeiter, sie sehr böse Gesichter hatten und einen Kreis um ihn herum formten. Dann stürzten sie auf ihn ein und verprügelten ihn. Als der Fuchs völlig fertig am Boden lag, dachte er sich "Es reicht nicht aus, daß ich lerne, wie man klaut. Ich muß auch lernen, meine Spuren zu verwischen!"


Die Kranichfrau und der Fuchs

Es lebte einmal eine Kranichfrau im Wald und als die Zeit gekommen war, daß sie Eier legen und Junge ausbrüten wollte, da suchte sie sich einen geeigneten Baum und baute ihr Nest genau in einer Astgabel. Da hatte es guten Halt und war auch noch von Blättern geschützt. Als alles fertig war, legte sie jeden Morgen ein paar Eier in das Nest. Eines Tages striff ein Fuchs auf der Suche nach etwas zu fressen durch den Wald. Er war faul und hatte keine Lust, sich für sein Essen großartig anzustrengen. Er kam an verschiedenen Sträuchern vorbei, an denen Beeren hingen, die er hätte fressen können, aber davon wäre er nicht satt geworden. Also trottete er weiter und hielt Ausschau nach kleinen Tieren, die er ohne viel Anstrengung fangen könnte. Er sah einen Hasen vorbeihoppeln, aber der war ihm zu schnell. Etwas später sah er ein Reh, das über eine Lichtung rannte, aber auch das war ihm zu schnell. Als der Fuchs nun an dem Baum der Kranichfrau vorbeikam und die Eier sah, da lief ihm das Wasser im Munde zusammen. Er versicherte sich mit einem hastigen Blick, ob die Eier auch wirklich unbeobachtet waren, um dann schnell zu dem Nest herauf zu klettern und die Eier zu klauen. Er freute sich unglaublich über sein gefundenes Fressen, und ging glücklich und satt davon. Die Kranichfrau kam abends von ihrer Arbeit zurück und sah, was passiert war; sie wurde sehr traurig und begann zu weinen. Nach einer Nacht, in der sie kaum geschlafen hatte, legte sie aber am nächsten Morgen wieder Eier in ihr Nest und ging weg, um zu arbeiten. Und wieder kam der Fuchs, der sich den Baum gemerkt hatte und sich schon darauf freute, für sein Essen wieder nur so wenig tun zu müssen. Er fraß die Eier und verschwand wieder. Als die Kranichfrau an diesem Abend nach Hause kam, war sie wirklich verzweifelt und wollte wissen, wer so gemein sein konnte und ständig ihre Eier fraß. In der Nacht konnte sie vor Kummer nicht schlafen. Und als sie so wach in ihrem Nest saß, überlegte sie, was sie gegen den Dieb tun könnte. Sie heckte einen Plan aus und legte am nächsten Morgen wieder einige Eier in ihr Nest, ging aber nicht weg, sondern versteckte sich in den Büschen hinter den Blättern und wartete auf den Dieb. Von den Blättern gut verdeckt spähte sie auf den Weg. Als der Fuchs wieder kam, um die Eier zu fressen, wollte die Kranichfrau sich rächen. Sie fragte den Fuchs: "Möchtest du die Welt einmal von oben sehen?" Der Fuchs wollte nicht dumm erscheinen und sagte "Aber wie soll das gehen, ich kann nicht so fliegen wie du" Aber die Kranichfrau schlug vor, der Fuchs könne in ihren Schwanz beißen und sich so festhalten. Da stimmte der Fuchs zu und sie verabredeten sich für den nächsten Tag. Als die Zeit gekommen war, flogen die Kranichfrau und der Fuchs gemeinsam über das Land. Unter ihnen sahen sie den Wald, die saftig grünen Blätter und der Bäume sahen von oben ganz anders aus als von unten. Gebannt starrte der Fuchs auf die Landschaft, die ihm völlig neu erschien, obwohl er sie doch sehr gut kannte, und die nun unter ihm immer kleiner wurde. Sie flogen so hoch wie die Kranichfrau fliegen konnte und dann fragte die Kranichfrau: "Fuchs, kannst du jetzt alles genau sehen?" Und der Fuchs antwortete: "Hmm...," ohne seinen Mund zu öffnen. Aber die Kranichfrau forderte ihn auf, richtig mit ihr zu sprechen und zu sagen, was er sehe. Da öffnete der Fuchs den Mund, um der Kranichfrau zu antworten; im gleichen Moment verlor er den Halt und fiel zu Boden. Im nächsten Augenblick war der Fuchs tot.

       Nun konnte die Kranichfrau ungestört ihre Eier in ihr Nest legen und ausbrüten. Als die Kinder etwas älter wurden erzählte die Mutter ihnen von dem Fuchs und warnte sie vor solchen Gefährten.


Der Fuchs und der Löwe

Es war einmal ein Fuchs, der lebte im Wald. Eines Tages, als der Fuchs sehr hungrig war, machte er einen Spaziergang. Er lief vorbei an den großen, alten Bäumen, von denen einige wunderschöne, bunte Blüten hatten. Seine Füße striffen durch das Gras am Boden und manchmal sackten sie in dem schlammigen Untergrund ein wenig ein. Er versuchte, durch die dichten Büsche um ihn herum etwas zum Fressen zu erspähen. Einige bunte Vögel drehten kreischend ihre Runden über seinem Kopf. Da sah er auf einmal einen toten Elefanten liegen, der sah wie ein großer grauer Hügel aus und sich nicht bewegte. Der Fuchs freute sich, so viel Fleisch gefunden zu haben; nun konnte er essen bis sein Hunger gestillt war und noch einen großen Vorrat anlegen. Er biß in den Bauch des toten Tieres. Aber anstatt etwas abzubeißen, stieß er mit den Zähnen auf, was ihn schmerzte, denn der Elefant war so hart. Weil der Elefant schon lange Zeit tot war, war das Fleisch sehr trocken geworden.

       Traurig ging der Fuchs weiter; sein Hunger wurde immer größer und er überlegte, was er nun machen sollte. Zufällig kam ein Löwe vorbei und plötzlich hatte der Fuchs eine Idee. Er fiel vor dem Löwen auf die Knie, schaute ihn mit großen Augen an und sagte ehrfürchtig "Löwe, Du bist der wahre König des Waldes!" Und der Löwe fragte, was der Fuchs von ihm wollte. "Du bist der wahre König des Waldes," wiederholte der Fuchs. "Nicht weit von hier liegt ein toter Elefant und alle Tiere sind zusammengekommen, um ihn aufzufressen. Ich aber habe sie davon abgehalten und gesagt, wir müßten zunächst unserem König das Fleisch anbieten." Als der Löwe dies hörte, fühlte er sich sehr geschmeichelt, stolz legte er seinen Kopf in den Nacken und schüttelte seine goldig schillernde Mähne. Er bat den Fuchs darum, ihn zu dieser Stelle zu bringen.

       Während sie gemeinsam zu dem toten Elefanten schritten, ließ der Fuchs sich noch einige Schmeicheleien für den Löwen einfallen. Als sie schließlich den Elefanten erreicht hatten, biß der Löwe ein großes Stück von dem Elefanten ab und bat den Fuchs, alle anderen zu rufen, damit sie nun den Elefanten essen konnten. Dann ging der Löwe wieder fort. Der Fuchs aber fraß schnell und gierig, so viel, wie er konnte und ging glücklich nach Hause.


Fuchs und Tiger

Geschichte der Bettakurumba erzählt von Devi

Es war einmal ein Paar, das hatte zwei Töchter. Die Eltern waren aber oft erzürnt, wenn eine der Töchter weinte. Um das Geschrei zu beenden, drohten sie "Eine von euch geben wir dem Tiger, die andere dem Fuchs."

       Da kam eines Tages ein Fuchs am Haus vorbei und hörte, wie die Eltern die Kinder verängstigten. Der Fuchs freute sich auf das Mädchen, denn er fand die beiden schön und anmutig, und dachte ein schönes Leben mit einer von ihnen führen zu können. Er ging sofort zum Tiger, um auch ihm die gute Nachricht zukommen zu lassen. So warteten die beiden geduldig auf die ihnen versprochenen Mädchen und freuten sich auf den Tag der Vermählung. Weil die Eltern ihre Drohungen aber nicht war machten, beschlossen die beiden Tiere eines Tages, es sei nun an der Zeit, die Mädchen zu holen. Also kamen sie zu dem Haus und hielten um die Hände der Mädchen an. Als die Eltern aber zögerten, ihnen die Mädchen zu geben, drohten die Tiere mit rauhen Stimmen "Wenn ihr uns eure Töchter nicht geben wollt, dann fressen wir euch auf". Also stimmten die Eltern den Hochzeiten zu und die Mädchen gingen mit Fuchs und Tiger.

       Eines Tages wollten die Eltern ihre Kinder besuchen und sie gingen zunächst zum Haus des Tigers. Da fanden sie aber nur Reh- und Kuhkadaver und bekamen Angst. So gingen sie also weiter zum Haus des Fuchses. Dort fanden sie ihre Tochter, diese aber hatte nicht, wie es die Sitte verlangte, ein Mahl vorbereitet, sondern begrüßte ihren Besuch, ohne Essen anzubieten. Als die Eltern sie nach dem Essen fragten, sagte sie, sie werde auf ihren Mann, den Fuchs, warten und dann etwas vorbereiten.

       Als der Fuchs nach einiger Zeit nach Hause kam, nahm er einen langen, hölzernen Stab in die Hand, schlug damit gegen die Wände und murmelte ein paar unverständliche Worte. Plötzlich erschien eine fertige, traumhaft gute Mahlzeit auf dem Tisch. Die Eltern waren ziemlich beeindruckt und die Mutter dachte sofort an die nahende Hochzeit ihrer Nichte, wofür sie eine Menge Essen zubereiten mußte. Als die Eltern gingen, steckte die Mutter den Stab heimlich ein.
 
       Die Hochzeit der Nichte kam und die Mutter versuchte, den Stab zu benutzen, sie schlug ihn ein paar mal gegen die Wände und murmelte ein paar unverständliche Worte, aber nichts passierte, denn sie wußte die Zauberworte nicht. Glücklicherweise kam in diesem Augenblick der Fuchs und sprach für die Mutter die Zauberworte. Da erschien auf dem Tisch ein fertiges Festmahl. Die Mutter freute sich, daß der Fuchs ihr geholfen hatte. Aber nach dieser Erfahrung wollte sie nie wieder dieses "Zauberessen" essen, sondern lieber selber kochen.


Die Hündin und ihre Kinder

Es war einmal ein König, der lebte mit seiner Frau in einem Dorf, und hielt sich eine Hündin im Haus. Der König und seine Frau lebten glücklich zusammen und so kam es, daß die Königin eines Tages schwanger wurde. Zur gleichen Zeit wurde auch die Hündin des Königspaares trächtig. Der König freute sich sehrüber so viel Glück auf einmal. Er gab seiner Frau Milch und Früchte und bat sie, das Essen mit der Hündin zu teilen. Die Königin aber fühlte sich in ihrer Liebe verletzt und war eifersüchtig auf die Hündin, also behielt sie das Essen allein für sich. So vergingen neun Monate, in denen die Königin neidisch auf ihre Hündin schaute und meinte, der König liebe diese mehr als sie selber. Und als die Zeit gekommen war, gebaren die Königin und die Hündin genau zur gleichen Zeit. Als die Königin ihre Kinder sah, stieß sie vor Schrecken und Entsetzen einen spitzen Schrei aus, denn es waren Hundebabies. Als sie aber die Kinder der Hündin sah, war sie noch viel entsetzter, denn diese hatte zwei wunderschöne kleine Mädchen geboren.

       Wütend rannte die Königin zum Fluss und warf ihre Hundababies weinend ins Wasser, sie zu ertränken. Aber bevor sie untergingen, kam die Hündin und rettete die kleinen Tiere. Da die Hündin fühlte, wie unbeliebt sie geworden war, ging sie mit all ihren Kindern fort und suchte sich im Wald einen Platz zum Leben. Dort zog sie die Hundebabies und auch die beiden Mädchen auf; alle wurden schön, gesund und gross. Damit die Mädchen nicht so sehr auffielen im Wald, malten sie sich die Gesichter schwarz, wenn sie ihre Höhle verliesen.

       Eines Tages kamen zwei junge Königssöhne durch den Wald und sahen diese beiden schwarz bemalten jungen Frauen. Sie waren sehr gespannt darauf, wie die Beiden wohl ohne die Farbe aussahen und trachteten danach, ihre Gesichter in ihrer ganzen Schönheit und der Originalfarbe zu sehen. Die beiden Königssöhne berieten sich, wie sie dies anstellen sollten. Danach erzählten sie den Frauen, sie hätten großen Durst und baten um etwas Wasser. Die beiden jungen Frauen holten etwas Wasser und reichten es ihnen. Die Königssöhne aber tranken das Wasser nicht, sondern schleuderten es auf die jungen Frauen, so daß sie deren Gesichter in ihrer ganzen Schönheit sehen konnten.

       Von diesem Anblick waren die Königssöhne so beeindruckt, daß sie wünschten, die beiden Frauen zu heiraten. Sie nahmen die Frauen mit zu ihren Palästen; der ältere nahm die ältere Frau und der jüngere nahm die jüngere.

       Auf dem Weg in den Palast zerschnitt die ältere Schwester ein Stück Stoff in viele kleine Stücke, die sie auf den Weg fallen liess, so daß die Hundemutter sie finden konnte. Und kurze Zeit später kam die Hundemutter, die inzwischen alt geworden war und besuchte die ältere Tochter. Diese freute sich sehr und begrüßte ihre Mutter mit einem herrlichen Linsengericht. Während sie sich unterhielten, erzählte sie ihrer Mutter, wo ihre Schwester wohnte, so daß die Mutter auch diese besuchen könnte. Daraufhin ging die Mutter auch die jüngere Tochter besuchen. Diese aber freute sich nicht, ihre Mutter zu sehen, denn jetzt, wo sie eine Prinzessin war, schämte sie sich ihrer Mutter. Sie schrie: "Warum kommst du hier her, ich bin jetzt eine Prinzessin und du blamierst mich nur!" Dann schmiss sie kochendes Wasser auf die Mutter.
 
       Sehr verletzt und traurig ging die Mutter wieder zurück zu ihrer älteren Tochter und erzählte ihr, was bei der Jüngeren passiert war. Unter Tränen sagte sie: "Ich werde bald sterben, bitte beerdige mich nicht, sondern lege mich in eine Holzkiste, die du in deinem Zimmer aufbewahrst, öffne die Kiste nach sieben Tagen."

       Bald darauf starb die Mutter und die Tochter handelte, wie es ihr die Mutter aufgetragen hatte. Als sie aber die Kiste nach sieben Tagen öffnete, war darin ein grosser Schatz von Schmuck, Gold und Geld. Davon hörte auch die jüngere Schwester. Sie war neidisch auf das Geld, also kam sie und fragte, wie die Schwester an den Schatz gekommen war. Diese erzählte ihr "Ich habe einen toten Hund in eine Kiste gelegt, als ich diese nach sieben Tagen wieder öffnete war darin der Schatz." Die Schwester dachte sich "Das ist leicht, das kann ich auch!" Und sie legte einen toten Hund in eine Holzkiste. Aber als sie die Kiste nach sieben Tagen öffnete waren darin Schlangen und Käfer, aber kein Gold oder Geld. Da bekam die junge Frau Angst.

       Die ältere Schwester hatte ein paar Tage später einen Traum, in dem ihr ihre Mutter erschien. Ihre Mutter sagte ihr, sie solle an einen bestimten Ort gehen und dort leben; als die Tochter dies tat, traf sie dort viele Freunde und Bekannte und wurde glücklich. Die andere Schwester hatte den gleichen Traum, auch ihr sagte die Mutter, sie solle an einen bestimmten Ort gehen, aber als sie dort ankam, fand sie keinen einzigen Menschen sondern nur Schlangen und Käfer. Wieder hatte sie grosse Angst und fragte sich, was sie fasch gemacht hatte, aber bevor sie den Gedanken zuende führen konnte, bißs eine Schlange sie und sie fiel tot zu Boden.


Der Tiger und der Fuchs

Es lebte einmal ein Fuchs in einer kleinen Höhle tief im Regenwald. Hier gab es viele hohe, alte Bäume und dazwischen standen Büsche und Sträucher. Eines Tages, als er durch den Wald lief, war der Fuchs sehr hungrig, da traf er einen Tiger vor dessen Höhle. Als der Fuchs sah, daß der Tiger gerade ein Reh gefangen und getötet hatte, und gerade anfangen wollte, das Reh zu fressen, da erzählte der Fuchs dem Tiger, er sei sehr hungrig und bräuchte dringend etwas zu essen. Der Tiger antwortete: "Sieh, ich habe selbst nicht genug für meine Familie, ich werde dieses Reh bei meiner Frau und den Kindern lassen und selbst noch ein Reh fangen, damit wir alle satt werden" Da fragte der Fuchs: "Lieber Tiger, kannst du mir nicht ein Stück von dem Fleisch abgeben? Ich habe solchen Hunger." Aber der Tiger antwortete "Nein, so viel Fleisch haben wir nicht, aber ich kann Dir sagen, wie du selber ein Reh fangen kannst" Damit war der Fuchs einverstanden und er hörte dem Tiger aufmerksam zu. "Also, du gehst und suchst dir ein paar dichte Büsche, dort legst du dich hin und wartest auf ein Reh. Aber leg dich so hin, daß das Reh dich nicht sehen kann. Wenn dann ein Reh vorbeikommt, springst du auf seinen Nacken, beißt hinein und tötest das Reh." Der Fuchs dachte, dies könne nicht allzu schwer sein und ging des Weges. Er sah unterwegs viele verschiedene Büsche, einige mit bunten Blüten, andere ohne Blüten, einige standen sehr dicht zusammen, andere standen dicht neben den Bäumen. Er guckte genau und überlegte, welcher sich wohl am besten eignen werde, um ein Reh zu fangen. Schließlich versteckte er sich neben einem Weg, den die Rehe normalerweise benutzten. Als er einige Zeit gewartet hatte, überlegte der Fuchs, es könnte schlauer sein, sich auf einem Baum zu verstecken, denn dann wäre es leichter, auf den Nacken des Rehes zu springen. Und als der Fuchs auf seinem Baum saß und auf ein Reh wartete, da kam ein Elefant vorbei. Plötzlich schoß ein Gedanke durch seinen Kopf "Wenn ich einen Elefanten fange habe ich genug Fleisch für ein ganzes Jahr!" Der Fuchs hatte völlig vergessen, wie klein er war, also sprang er auf den Nacken des Elefanten und versuchte, hinein zu beißen. Der Elefant spürte nur en Kitzeln im Nacken und kratzte sich dort mit seinem Rüssel. Da fiel der Fuchs zu Boden und war sofort tot.


Der Fuchs

Geschichte der Bettakurumba erzählt von Devi

Es war einmal ein Paar, das hatte einen Sohn. Immer wenn sie etwas aßen, wollten sie alles allein aufessen und nicht [wie üblich innerhalb der Familie] teilen.

       Der Vater und der Sohn gingen jeden Tag in den Wald, um Essen zu sammeln und an einem Tag fanden sie nach einiger Zeit einen Fuchs auf ihrem Weg liegen und sie dachten, er wäre tot. Da sagte der Sohn "Komm, laß uns den Fuchs mitnehmen, wir können uns ein schönes Essen machen." Aber der Vater antwortete "Nein, ein Fuchs reicht nicht für uns alle drei." Also gingen sie weiter und guckten nach mehr Essen. Und als sie fort waren, stand der Fuchs auf, der sich nur ausgeruht und ihre Unterhaltung mit angehört hatte. Nun dachte er sich eine kleine List aus und rannte vor, so daß er die beiden Männer überholte. Und während sie weiter nach Eßbarem suchten und sich unterhaltend durch den Wald schritten, fiel ihnen gar nicht auf, daß der Fuchs sie überholte. Als er plötzlich wieder auf ihrem Weg lag, freuten sie sich, schon wieder so einen guten Fund gemacht zu haben und einen zweiten Fuchs für den Abend zu haben. Aber der Vater meinte, sie sollten noch einen dritten Fuchs finden und dann erst nach Hause gehen, denn schließlich sein sie ja zu dritt. Also gingen sie weiter und ließen den vermeintlich toten Fuchs liegen, um ihn auf dem Rückweg mitzunehmen.

       Und wieder lief der Fuchs unbemerkt an ihnen vorbei und legte sich vor ihnen auf den Weg. Wieder freute sich der Sohn und sagte "Schau, Vater jetzt haben wir endlich genug für uns alle und können nach Hause gehen." Diesmal war auch der Vater einverstanden und sagte "Du, Sohn, gehst und holst die anderen beiden Füchse und ich werde diesen hier mitnehmen."

       Also ging der Sohn los, die anderen beiden Füchse zu suchen und mitzunehmen. Der Vater aber, der nur schlecht sehen konnte, suchte diesen Fuchs auf dem Boden. Da ergriff der Fuchs seine Chance und schnappte sich all die Leckereien, die die beiden Männer vorher gesammelt hatten, und rannte davon. Der alte, fast blinde Mann konnte ihn nicht aufhalten. Als der Sohn mit leeren Händen zurück kam, ärgerten sie sich sehr und mußten ohne essen nach Hause zurück gehen. Moral: Du solltest immer teilen, auch wenn du nicht viel hast.


Das Granatapfelmädchen

Es lebte einmal eine Familie mit vier Söhnen in einem Dorf. Nach einiger Zeit bekamen sie einen fünften Sohn und kurz nachdem dieser letzte Sohn geboren war, starben beide Eltern. Also zogen die Brüder diesen Jungen auf. Nachdem die Brüder alle geheiratet hatten, halfen ihnen auch die Ehefrauen, so daß der Junge viele Leute um sich herum hatte, die sich um ihn kümmerten. Da nun auch nicht mehr alle im selben Haus, sondern nur noch im selben Dorf wohnten, hatte er viele Freiheiten.

       Als sie einmal das Fest Vishnu alle gemeinsam feierten, saß der jüngste Sohn neben seinem ältesten Bruder. Als dieser ihn sah, bemerkte er, wie dreckig und verlottert der Junge aussah, fragte er seine Familie: "Kümmert ihr Euch denn nicht um den Jungen?" und er war sichtlich erregt. Eine seiner Schwägerinnen antwortete: "Der Junge ist doch nicht unsere einzige Sorge, wir haben so viele Verantwortungen und so viel Arbeit, wir können nicht ständig hinter ihm herrennen! Wenn er dir so wichtig ist, dann such ihm doch ein Granatapfelmädchen und verheirate ihn!" Da wurde der Junge ärgerlich und sagte: "Ich lasse euch ab sofort in Ruhe und will nicht mehr zur Last fallen. Ich gehe, das einzige was ich von euch haben möchte ist ein Pferd und ein Schwert."

       Als der Junge seinen Weg durch den Wald machte, sah er auf einmal auf einem Baum zwei kleine Adlerjungen, die weinten, weil eine Schlange zu ihnen heraufkletterte. Schnell zog er sein Schwert und zerschnitt die Schlange in zwei Stücke, so daß die Vögel gerettet waren. Die kleinen Adler waren sehr froh und bedankten sich bei dem Jungen. Dann aber fiel ihnen ihre Mutter ein und sie wußten, wenn die Mutter zurückkommen würde, würde sie denken, der Junge hätte sie töten wollen. Wahrscheinlich würde die Mutter den Jungen mit gefährlichen Bissen attackieren, bevor die Kleinen Zeit gehabt hätten, alles zu erklären. Also versteckten sie ihren Freund in der Nähe.

       Und sie hatten Recht: gerade als die Mutter zurückgekommen war, fragte sie auch schon: "Kinder, ich rieche Menschengeruch, was ist hier passiert? War ein Mensch bei euch?" Und die Kinder hatten so die Möglichkeit, die ganze Geschichte zu erzählen. Als die Mutter dies hörte, wollte sie den Jungen sehen. Die Mutter mochte den Jungen und fragte ihn, was er hier im Wald mache. Da erzählte der Junge seine ganze Lebensgeschichte, glücklich, daß sich endlich jemand für ihn interessierte, und er schloß mit den Worten: "Und jetzt suche ich eine Frau für mich."

       Die Adlermutter fühlte mit ihm und sagte: "Ich kenne einen Brunnen in der Mitte des Waldes, dort baden jeden Nachmittag sieben wunderschöne Mädchen, die aus dem Himmel kommen. Geh dorthin und schaue dir die Mädchen gut an, wenn du dich für eines entschieden hast, faßt Du ihre Kleider an, um mir zu signalisieren, auf wen deine Wahl gefallen ist. Faß nicht die Mädchen selber an, denn dann werden sie im Himmel nicht mehr akzeptiert und sind auf ewig verstoßen." So ging der Junge zum Brunnen und schaute sich die Mädchen an. Sie waren alle wunderschön und badeten in dem Brunnen, während ihre Kleider am Rand liegen geblieben waren. Der Junge spürte eine Zuneigung zu der siebten Frau, die er besonders schön fand. Also berührte er die Kleider der siebten Frau und verließ dann unauffällig den Platz.

       Nachdem die Frauen ihr Bad beendet hatten und sich wieder ankleiden wollten, bemerkten sie, daß die Kleider der siebten Frau berührt worden waren. Einstimmig beschloßen sie, die Frau nicht mehr mit in den Himmel zu nehmen und ließen sie allein zurück. Die junge Frau zog sich langsam an und ging dann in den Wald, wo sie sich einen Granatapfelbaum suchte, auf den sie kletterte und sich auf eine Frucht setzte. Nun lief der Junge durch den Wald, von einer unerwarteten Müdigkeit übermannt und suchte sich einen Platz zum Schlafen. Er fand einen Alebaum und dachte bei sich "Dies ist ein sicherer Platz; der Baum ist heilig und kann mich beschützen". Er legte sich hin, schaute sich noch ein wenig die von den Ästen in die Luft hängenden Wurzeln des Baumes an und schlief ein.

       Das himmlische Granatapfelmädchen war ihm gefolgt und in ihrer wunderschönen Kleidung, die mit vielen Ornamenten geschmückt war, sah sie noch himmlischer aus. Als sie nun den Jungen erreichte, setzte sie sich neben ihn, legte seinen Kopf in ihren Schoß und ruhte sich ein wenig aus. Sie döste und bemerkte erst gar nicht, daß eine Prostituierte vorbeigekommen war und vor ihnen stehen blieb. Sie fragte das nun wieder hellwache Granatapfelmädchen: "Was macht ihr beiden hier?" Und das Mädchen antwortete: "Wir sind lange gelaufen und machen nun eine kleine Pause." Da sagte die Prostituierte: "Du bist so unglaublich schön, hast du dich selbst einmal gesehen?" Und da das Granatapfelmädchen verneinte, schlug die Prostituierte vor, zu einem Brunnen zu gehen, damit sie sich im Wasser spiegeln könne. Aber als sie an dem Brunnen angekommen waren und die hübsche junge Frau ihr Spiegelbild im Wasser erblickte, stieß die andere sie in den Brunnen. Die Prostituierte holte die Kleider des Granatapfelmädchens aus dem Wasser, zog sie selber an, ging zurück zu dem Jungen und tat so, als sei sie das Granatapfelmädchen.

       Als der Junge aufwachte, wunderte er sich über das wunderschön gekleidete Mädchen, das bei ihm saß und er sagte: "Wer bist Du? Deine Kleider sehen genau so himmlisch aus, wie ich sie vorhin gesehen habe, aber dein Gesicht hat sich verändert." Da antwortete die clevere Frau: "Weil Du meine Kleidung berührt hat durfte ich nicht mehr in den Himmel und ich mußte auch mein Gesicht tauschen." Da freute sich der Junge, daß er das Mädchen seiner Wahl bekommen hatte und nahm sie mit in sein Dorf. Als aber seine Brüder das Mädchen sahen, sagen sie ihm: "Das ist nicht das Granatapfelmädchen; du bist betrogen worden, wir kennen sie, sie kommt aus einem Dorf hier in der Nähe." Trotzdem beschloß der Junge, mit der Frau zusammen zu leben.

       Eines Tages ging die Frau zu jenem Brunnen, in den sie das Granatapfelmädchen gestoßen hatte, um Wasser zu holen. Da sah sie neben dem Brunnen eine Lotusblume wachsen und sofort schoß ihr der Gedanke durch den Kopf "Das ist das Granatapfelmädchen! Sie hat ihre Form verändert und will uns beobachten!" Auf dem Weg nach Hause überlegte sie sich, wie sie sich von dem Granatapfelmädchen befreien könne. Zu Hause angekommen sagt sie zu ihrem Mann: "Liebling, ich habe einen neuen Heiler gefunden und er hat gesagt, du solltest mir die Lotusblume pflücken, die bei diesem Brunnen wächst. Dann sollst du den Saft daraus auspressen und auf meiner Stirn auftragen." Da er seine Frau gern hatte, ging der junge Mann sofort in den Wald und zu besagtem Brunnen, pflückte die Lotusblume, die ihm unwahrscheinlich hübsch erschien und ging nach Hause, um den Saft auf der Stirn seiner Frau zu verteilen. Den Rest der Pflanze schmiß er vor das Haus. Die Frau war beruhigt und dacht nun sei alles vorbei, aber als sie am nächsten Morgen vor das Haus trat, fand sie dort das ganze Beet voller Spinatpflanzen. Ihr war sofort klar, das wieder das Granatapfelmädchen dahinter steckte und sie überlegte sich eine neue List. Sie erzählte ihrem leicht verwunderten Mann: "Jetzt hat mein Heiler gesagt, du sollst den Saft dieser Spinatpflanzen auspressen und auf meiner Stirn verteilen; hinterher schmeiß den Rest in den Garten unserer alten Nachbarin" Wieder hörte der Mann auf das, was seine Frau ihm sagte.

       Aber wieder erlebte seine Frau eine Enttäuschung, denn am nächsten Morgen stand im Nachbarsgarten ein wunderschöner, großer Mangobaum. Diesmal wies sie ihren Mann an, den Baum zu zerschneiden und dann zu verbrennen. Leider hatten sie übersehen, das der Baum eine Frucht trug, die so hoch oben wuchs, daß sie von unten nicht zu sehen war und als sie de Baum fällten, fiel diese Frucht herunter und kullerte zur Seite, so daß keiner sie bemerkte. Sie verbrannten den Baum und als am nächsten Morgen nichts passierte, fühlte die Frau sich endlich sicher. Sie wußte allerdings nicht, daß die alte Frau die Mango gefunden und ins Haus getragen hatte. Ihr Sohn freute sich über diese schöne Frucht, die so lecker duftete und holte ein Messer, um sie aufzuschneiden. Aber als er das Messer ansetzen wollte begann die Frucht auf einmal, mit ihm zu reden. Sie sagte: "Bitte zerschneide mich nicht, ich bin deine große Schwester" Da bekamen die alte Frau und ihr Sohn große Angst und fürchteten sich vor dieser sprechenden Frucht. Die Mango aber sagte: "Holt ein weißes Tuch und legt es über den Tisch, so daß es wie ein heiliger Platz wird, legt mich darauf und dreht euch um." Als die Frau alles gemacht hatte, was ihr die Mango aufgetragen hatte, drehte sich die Frau weg und wartete. Da verwandelte die Mango sich wieder in das hübsche Granatapfelmädchen und erzählte ihre Geschichte. Die alte Frau fühlte mit dem Mädchen und nahm sie in ihrem Haushalt auf.

       Einige Tage später brauchte die junge Ehefrau Feuerholz und beschloß, ihre alte Nachbarin darum zu bitten. Als sie dort ins Haus kam, sah sie das hübsche junge Mädchen und wunderte sich wer dies sei, denn sie erkannte sie nicht. Als sie aber die Alte fragte, antwortete diese abweisend: "Kümmere dich um deinen eigenen Kram und laß mich in Ruhe. Du wolltest Feuerholz, also nimm es und geh." Da sah die junge Frau, daß die Schöne das Granatapfelmädchen sein mußte. Verzweifelt und aus Angst, sie nie loszuwerden, trug sie ihrem Mann auf: "Geh zu unserer Nachbarin und zerschneide das Mädchen, das dort lebt. Bring mir ihr Blut und trage es auf meinen Körper auf, so hat es mein Heiler gesagt." Und ihr Mann ging hin, schnitt das Mädchen in Stücke, brachte das Blut mit nachhause und trug es auf ihren Körper auf. Die Stücke des Granatapfelmädchens aber verwandelten sich in Bäume, der Kopf wurde eine Palme, die Hand eine Bananenstaude, das Bein eine Kokosnußpalme und die Augen verwandelten sich in Papageien.

       Der junge Mann wurde sehr traurig über das, was er getan hat und ging nachdenklich spazieren. Ihm wurde bewußt, wie abhängig er sich gemacht hat und daß er seiner Frau auf Wort gehorchte, auch wenn er eigentlich gar nicht möchte. Schlechten Gewissens setzt er sich auf einen Stein, als die beiden Papageien vorbei geflogen kamen und mit ihm zu reden begannen "Du solltest das Granatapfelmädchen heiraten, hast aber die andere geheiratet, das war nicht richtig." Der junge Mann erwidert: "Ja, ich weiß und es tut mir leid. Ich habe einen großen Fehler gemacht und weiß nicht, wie ich es ändern kann." Die Papageien hatten Mitleid mit dem jungen Mann, erkannten seine Trauer und sein schlechtes Gewissen und sie sagen ihm, er solle einschlafen auf diesem Stein. Und so schlief der junge Mann ein.

       Als er nach einem langen, guten Schlaf wieder aufwachte, wunderte er sich, was denn mit dem Stein passiert war, denn er befand sich viel höher über der Erde als beim Einschlafen. Er kletterte von dem Stein herunter und da merkte er, daß der Stein sich in ein schönes, großes Haus verwandelt hatte, aus dessen Tür nun das Granatapfelmädchen herauskam. Von nun an lebten die beiden gemeinsam und glücklich in diesem Haus.


Eine Geschichte der Bettakurumba

Erzählt von Devi

Es lebte einmal ein Ehepaar in einem Dorf, das hatte zwei Kinder; eine Tochter und einen zehn Jahre jüngeren Sohn. Die Tochter wuchs heran zu einem äußerst schönen Mädchen, das die Augen der jungen Männer auf sich zog.

       Eines Tages, als das Mädchen vor der Tür stand, ging ein Magier vorüber, der die Form eines Bettlers angenommen hatte. Er sah das Mädchen und fand sie sehr hübsch, sein Herz schlug schneller und ein Grinsen schlich sich auf sein Gesicht. Nachdem der Magier dieses schöne Mädchen gesehen hatte, begann er regelmäßig zu diesem Haus zu kommen, immer in der Form des Bettlers. Das Mädchen aber mochte den Bettler nicht und hatte große Angst vor ihm, obwohl die Mutter ihm etwas zu Essen bereitete. Der Bettler bat die Mutter, das Mädchen solle ihm das Essen geben, denn er hoffte, so Zugang zu ihr zu finden. Also trug die Mutter dem Mädchen auf, dem Bettler das Essen zu reichen.

       Der Magier hatte das Mädchen sehr gern und so ging er eines Tages, als der Vater allein zu Haus war, zu ihm und hielt um die Hand des Mädchens an. Der Vater sagte, er müsse zunächst mit all seinen Verwandten sprechen und werde sich dann erst entscheiden. Als er aber das Thema in der Familie anschnitt, erklärte der Sohn sehr bestimmt, daß er es nicht zulasse, daß seine Schwester diesen Bettler heirate, denn es sei offensichtlich, wie sehr sie ihn hasse. Als der Bettler dies erfuhr, wurde er sehr böse, schleuderte seine Faust in den Himmel und schwor mit funkelnden Augen, sich zu rächen. Kurz darauf mußte der Vater Feuerholz holen und ging er auf einen Berg, der Bären-Berg genannt wird. Da kam der Magier vorbei, guckte sich um, ob ihn auch keiner beobachte, und verwandelte den Vater in einen Bären. Später ging die Mutter zu einem Brunnen, der Pilzbrunnen genannt wird und wollte Wasser holen. Da kam der Magier und verwandelte sie in einen Pilz.

       Nun kam der Magier zu dem Haus und verwandelte das Mädchen in einen kleinen, schwarzen Hund und nahm sie mit zu sich nach Hause. Der Sohn war die ganze Zeit unterwegs gewesen und wußte nichts von all den Veränderungen. Als er zurück nach Hause kam, spielte er sorglos und glücklich mit seinen Freunden. An diesem Tag hatte er ungemein viel Glück und gewann alle Spiele. Nach einiger Zeit wurden seine Freunde neidisch und begannen, ihn zu ärgern. Sie erzählten ihm nun auch, was der Magier alles mit seiner Familie gemacht hatte. Als der Junge dies erfuhr, ging es ihm sehr schlecht, er schrie und wollte nichts mehr von diesen Schauermärchen hören. Und in der darauffolgenden Nacht träumte er, Pfeil und Bogen herzustellen, um gegen den Magier zu Kämpfen. Aber davon erfuhr der Magier auch, er wurde so ärgerlich und kampflustig, daß er eine Arme von 101 Soldaten schickte um gegen den Jungen zu kämpfen. Aber mit dem Pfeil und Bogen konnte der Junge den Kampf gewinnen. Hinterher saß er pfeifend auf einem Stein, war völlig erschöpft und überlegte, was er jetzt machen solle.

       Er ging zu dem Haus des Magiers und mit Hilfe des Pfeils und Bogens konnte er seine Schwester wieder zurückverwandeln. Sie freuten sich unglaublich, sich wieder zu haben. Zusammen gingen sie zum Bärenberg und verwandelten auch ihren Vater zurück und hinterher gingen sie zum Pilzbrunnen und verwandelten auch ihre Mutter zurück. Nun waren sie sicher vor dem Magier und lebten glücklich bis an ihr Lebens Ende.


Der Fuchs und das Wildschwein

Es waren einmal ein Fuchs und ein Wildschwein gute Freunde; sie lebten zusammen im Wald. Eines Tages brauchten sie Arbeit und gingen zu einem Landlord, um Beschäftigung zu finden. Der Landlord stellte sie ein und gab ihnen unterschiedliche Aufgaben: das Schwein sollte Gras mähen und der Fuchs sollte Steine zerbrechen.

       Aber der Fuchs war faul und überredete das Wildschwein dazu, die Arbeiten zu tauschen. Also versuchte das Schwein voller Inbrunst, die Steine zu zerbrechen. Der faule Fuchs aber tat nichts, als herumspielen und seine Arbeit blieb liegen. Das Wildschwein hatte nicht genügend Kraft, die Steine zu zerbrechen und vor Anstrengung standen ihm schon die Schweißperlen auf der Stirn. Verzweifelt fragte es seinen Freund, "Fuchs, kannst Du mir nicht einen Tip geben, wie ich am Besten die Steine zerbrechen kann?" und der listige Fuchs antwortete: "Du mußt deinen Kopf gegen die Steinen hauen, dann zerbrechen sie ganz leicht." Er lächelte verschmitzt und freute sich heimlich über seinen Trick. Da das Wildschwein Respekt vor seinem Freund hatte, befolgte es diese Anweisung und als es seinen Kopf gegen den Stein schlug, zerbrach nicht der Stein, aber das Schwein verletzte sich sehr stark am Kopf und starb.

       Der Fuchs ging zum Landlord und erzählte ihm, das Schwein sei gestorben und tat so, als sei er sehr aufgebracht. Der Landlord ließ ihn die Felder bewachen und kümmerte sich um das Schwein. Der Fuchs wartete eine Weile, dann rief er den Landlord, seine Getreidefelder hätten Feuer gefangen. Der Landlord kam, um zu gucken, gleichzeitig rannte der Fuchs zu dem toten Schwein und biß gierig ein großes Stück Fleisch ab und rannte davon, so schnell er konnte.

       Als der Fuchs gemütlich seines Weges ging, traf er eine alte Frau, die neben ihrer grasenden Kuh saß. Sie paßte auf, daß die Kuh nicht in den Treibsand ging, der sich an einer Seite der Wiese befand. Der Fuchs bat die Frau: "Bitte, Mutter, koche mir dieses Fleisch, ich werde so lange nach deiner Kuh gucken." Die gutmütige, alte Frau half dem Fuchs gern und ging in ihre Küche, das Fleisch zu kochen. Da er sehr gierig war und das Fleisch möglichst schnell essen wollte fragte er mehrmals nach, ob das Fleisch fertig sei, aber jedesmal sagte die Frau "Nein" Als es dem Fuchs zu lange dauerte, stieß er die Kuh in den Treibsand und rief der Frau zu, "Komm schnell, deine Kuh ist in den Treibsand gefallen!" Als die Frau aus dem Haus kam, rannte der geifernde Fuchs in die Küche und schnappte sich das Fleisch, rannte wieder heraus und setzte sich auf einen Baum, um das Fleisch zu genießen.

       Da kam ein sorgloser Tiger vorbei und sah ein paar Knochen auf dem Boden liegen, er wunderte sich, wo die wohl herkamen, schaute hinauf, sah den Fuchs und fragte: "Fuchs, was ißt du da?" Der Fuchs war leicht irritiert, denn er hatte nicht damit gerechnet, hier oben entdeckt zu werden. Er wollte einen Spaß machen und antwortete: "Ich fange ein paar vorüberfliegende Vögel und esse sie." Da fragte der Tiger, ob er etwas von dem Fleisch bekommen könnte. Der Fuchs warf ihm ein Stück herunter, das dem Tiger so gut schmeckte, das er nach mehr fragte. Der Fuchs fühlte sich gestört und wollte den Tiger loswerden. Also antwortete er "Ich esse schon meine Oberschenkelmuskel" seine Stimme klang gereizt. Der einfache Tiger fragte aber "Wie heilt denn dann die Wunde an deinem Bein?" und er war sichtlich besorgt. Der Fuchs war jetzt wirklich genervt und sagte unwirsch "Du nimmst einfach irgend ein Blatt, preßt den Saft daraus und verreibst ihn auf der Wunde. Nach einiger Zeit suchst du dir einen heißen Stein, setzt dich darauf und wartest."

       Der arme, einfache Tiger tat alles, was der Fuchs ihm gesagt hatte und als er auf dem Stein saß, blieb sein Fleisch an dem heißen Stein kleben und er konnte sich nicht mehr bewegen. Als ein Rudel junger Hunde vorbei kam und Flöte spielte und sang, mußte der Tiger sie fragen, ob sie ihn befreien konnten, obwohl er sich sehr schämte. Aber die Hunde halfen lachend dem armen Tiger.

 










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