Reisgruppe
Der Ursprung des Adivasi-Tee-Projektes liegt in den
persönlichen Kontakten der damaligen Medizinstudentinnen Ute
Breckner und Christiane Fischer zur Nichtregierungsorganisation ACCORD
im südindischen Gudalur. Nach ihrer Auslandsfamulatur riefen sie
1991 in Heidelberg die „Reisgruppe“ ins Leben. Deren Mitglieder, alle
engagiert in der aESG Heidelberg (alternative Evangelische
StudentInnengemeinde in der BRD) trafen sich wöchentlich und
diskutierten über Eine-Welt-Themen. Vor allem aber aßen sie
einfachen Reis ohne Beilagen und spendeten den Betrag des eingesparten
Mensa-Essens an das Adivasi-Krankenhaus in Gudalur. Dieses Zeichen von
Solidarität erregte in Gudalur Aufmerksamkeit und großes
Interesse.
Indienprojekt
1994 kamen erstmals vier InderInnen des Partnerprojektes
nach Deutschland und sprachen auf Veranstaltungen in ganz Deutschland
über die Situation der Adivasi. Persönliche Freundschaften
trugen die Arbeit weiter; für manch einen gab der starke Eindruck
der persönlichen Begegnung mit den InderInnen gar erst den
Anstoß für persönliches Engagement. Das „Indienprojekt“
wurde 1994 gegründet und erhielt in der ESG (Evangelische
StudentInnengemeinde in der BRD) den Status einer bundesweiten
Arbeitsgruppe. Seitdem finden im zweimonatigen Rhythmus Treffen der
ehrenamtlich Aktiven zur Planung und Koordinierung der Aktivitäten
statt.
Adivasi-Tee-Projekt
Noch im selben Jahr (1994) entstand die Idee, eine
Teeplantage in Gudalur zu kaufen, um die Entwicklungsarbeit von ACCORD
und AMS langfristig finanziell zu unterstützen bzw. abzusichern.
1998 war es dann so weit: Unsere indischen PartnerInnen kauften mit
Hilfe eines zinslosen Kredits über 1 Million DM des englischen
Charities Advisory Trusts eine Teeplantage und wir gaben uns den Namen
Adivasi-Tee-Projekt (ATP) sowie die Aufgabe, zur Abzahlung dieses
Kredits Spenden einzuwerben. Der als gemeinnützig anerkannte
Trägerverein des ATP Adivasi-Kooperationsprojekt e.V. wurde
gegründet.
Die Strukturen und Inhalte des ATP haben sich
ständig weiter entwickelt und beschränken sich längst
nicht mehr „nur“ auf Spendenwerbung und Aktivitäten innerhalb der
ESG. Zwar sind wir als Arbeitsgruppe der ESG ihr immer noch stark
verbunden. Aber wir arbeiten als Mitglied der Adivasi-Koordination
Deutschland (AKD) und – seit 2004 – in der globalisierungskritischen
Bewegung attac auch mit anderen entwicklungspolitischen Organisationen
und Initiativen zusammen. Neben der dringend notwendigen Spendenwerbung
zur Rückzahlung des Teeplantagen-Kredites engagiert sich das ATP
für Fairen Handel und entwicklungspolitische Bildungs- und
Öffentlichkeitsarbeit sowie die Förderung
zivilgesellschaftlichen und entwicklungspolitischen Engagements, nicht
zuletzt bei SchülerInnen. Wir intensivierten die Bildungsarbeit -
erarbeiteten Materialien, führten Seminare und Schulprojekte durch
-, beteiligen uns seit 1997 regelmäßig an den Kirchentagen
und führten bisher acht entwicklungspolitische Begegnungsreisen
durch, davon zwei in Indien. Wir verkaufen den Adivasi-Tee an
Einzelpersonen und Weltläden und führen Aktionen zum Fairen
Handel durch. 1999 waren ATP und ACCORD Kooperationspartner eines
Süd-Nord-Projektes des ASA-Programms (Arbeits- und
Studienaufenthalte in Afrika, Asien, Lateinamerika).
Seit 1999 koordiniert dank der Unterstützung des
EED eine hauptamtliche Stelle unsere Projektarbeit – nach der
mehrjährigen Mitarbeit von Kurt Bühner ist seit Oktober 2003
Petra Bursee in unserem Projekt. Aber noch immer bilden die
Ehrenamtlichen den Grundpfeiler des ATP.
Etwa 35 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit aktiv im
ATP. So manche ehemalige Mitglieder sind uns als UnterstützerInnen
treu geblieben, neue Mitglieder sind hinzugekommen, so dass wir die
Arbeit des ATP von einem großen Freundes- und
UnterstützerInnen gefördert wird. Inzwischen gehören
nicht nur Berufstätige und Studierende zum ATP, sondern sind auch
SchülerInnen aktiv. Die Schülerfirma Chameleon in Bretten und
die Eine-Welt-AG Lauffen sind aus unserem Projekt nicht mehr
wegzudenken und setzen neue Akzente.
10-jähriges
Jubiläum
2004 feierte das Adivasi-Tee-Projekt sein
10-jähriges Bestehen. Dieses Jubiläum feierten wir mit unseren
Mitgliedern, UnterstützerInnen, Kooperationspartnern und indischen
Gästen vom 1.-3. Oktober im Bessunger Forst bei Darmstadt – mit
Vorträgen und Workshops, entwicklungspolitischen Spielen,
Teeverkostung, Live-Musik und Vielem mehr.