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Übergriff gegen Adivasis im Wynaad

(Muthanga)
 




 

Zur  Vorgeschichte

Die Landesregierung von Kerala verabschiedet 1975 ein Gesetz, „The Kerala (Restriction on Transfer of Lands and Restoration of Alienated Lands) Act 1975“, das die missbräuchliche Aneignung von Adivasi-Land unterbinden sollte. Selbst ein Urteil des Obersten Gerichtshofes aus dem Jahr 1993 verhalf dem Gesetz nicht zur Umsetzung. Lediglich 7.500 acres waren an 4.500 Adivasi verteilt worden; in einem Bundesstaat mit 350.000 Adivasi, von den 80 Prozent als landlos gelten. Dieses Gesetz sollte dann 1999 durch ein anderes ersetzt werden; „The Kerala Restriction on Transfer and Restoration of Lands to Scheduled tribes Bill 1999“. Der Oberste Gerichtshof des Bundeslandes erklärte dieses Gesetz für verfassungswidrig, so dass nun der Oberste Gerichtshof des Bundes (Supreme Court) darüber befinden muss.

Ebenso sah das Forstgesetz von 1972 („The Kerala Private Forest (Vesting and Assignment) Act 1972“) vor, dass 56.833 acres an Adivasi zur landwirtschaftlichen Nutzung übergeben werden sollten. Auch dies wurde nicht umgesetzt. Tausende von Hektar Land vielzähliger Adivasi-Projekte verblieben in den Händen der unterschiedlichen Landesregierungen. Ebenso fanden 40.000 acres, vorgesehen für Genossenschaftsprojekte bei den Adivasi ihren Adressaten nicht.

Nachdem seit Mitte July 2001 32 Adivasi an Hunger gestorben waren, startete die Versammlung der Adivasi und Dalit (Adivasi-Dalit Samara Samithy) am 30. August 2001 eine Kampagne vor der Residenz des Chief Ministers in der Landeshauptstadt Thiruvananthapuram. Flüchtlingscamps wurden eingerichtet, und die Auseinandersetzungen weiteten sich aus.

Am 6. September trifft sich der Chief Minister A.K Antony zu einem Gespräch mit den Führungspersonen der Adivasi. Über einige unmittelbare Forderungen wurde eine Einigung erzielt:

* ein Entwicklungsprogramm für die Adivasi, das aus dem allgemeinen Haushalt finanziert und von der Abteilung für Stammesvölkerentwicklung durchgeführt werden sollte, nicht von den Dorfräten (Panchayats), in denen auch Nicht-Adivasi ein Mitspracherecht haben;

* die Einrichtung von Komitees aus Landes- (Vorsitz Chief Minister) und Distriktsebene;

* neue Lebensmittelrationen für alle Adivasi in den folgenden zwei Monaten, 10 kg Reis pro Monat für alle gehandikapten Adivasi;

* die Wiederherstellung aller Rechte zum Sammeln von kleineren Waldprodukten;

* die Bereitstellung von 90 Prozent aller Arbeitsplätze in der Forstbehörde für Adivasi;

* die gründliche Untersuchung aller Vorkommnisse, die mit Ausbeutung, Mord und Vergewaltigung von Adivasi zu tun haben.

Am 3. Oktober traf sich zum ersten Mal der große Rat der Adivasi (Adivasi Gothra Mahasabha). Der Rat übernimmt die Entscheidungen des Samara Samithy und beschließt, die Auseinandersetzungen auf andere Teile des Bundeslandes auszuweiten. Dies mündet zunächst in eine Demonstration von 10.000 Menschen in der Stadt; zwei Drittel Adivasi und das andere Drittel Dalits und andere.

Am 16. Oktober führt das vom Chief Minister geleitete Komitee eine Aussprache mit dem Samara Samithy durch und stimmt den verbliebenen Forderungen zu; insbesondere die Übergabe von 5 acres an alle Adivasi, die über weniger als einen acre verfügen. Ebenso beschlossen wird, die von den Adivasi besiedelten Gebiete in besondere, von der Verfassung geschützte Gebiete (scheduled areas) entsprechend der V. Ergänzung zur Verfassung umzuwandeln, den Gerichtsbeschluss des Obersten Gerichtshofes über das Gesetz von 1999 umzusetzen und eine Abordnung aus den Adivasi- Stammesvölkern zu bilden, um das Abkommen umzusetzen. Mit der Bekanntgabe der wesentlichen Details des Abkommens an die Presse erklärte der Samara Samithy das – vorläufige – Ende der Auseinandersetzungen.

Im Zusammenhang mit dem Abkommen zählte die Regierung 22.491 landlose Adivasi-Familien und 30.981 Familien, die über weniger als 1 Acre verfügten. Insgesamt wurden 53.472 Familien identifiziert, die ab dem 1. Januar 2002 jeweils in den Genuss von fünf Acres Land kommen sollten. Allerdings wurden in den vergangenen 16 Monaten nur 600 Familien mit 59.452 Acres Land ausgestattet; weniger als 1,6 Prozent der Familien und weniger als 2,2 Prozent des laut Abkommen erforderlichen Landes. Die vereinbarte Abordnung der Stammesvölker hörte buchstäblich zu fungieren auf, und die Landverteilung wurde gestoppt. Nachdem die Adivasi der Regierung über ein Jahr Zeit gegeben hatten, die Abkommen umzusetzen, gingen sie zur Besetzung der Muthanga Range über.

Seit dem 4. Januar 2003 befanden sich 1.150 Adivasi-Familien innerhalb des Naturschutzgebietes. Die Adivasi richteten einen Kontrollposten ein und beschränkten den Zugang. Staatlichen Behörden wurde der Zugang verwehrt. Die Adivasi hatten im Gebiet der Muthanga Range eine Fläche gerodeten Waldes in der Größe von 5.000 acres besetzt. Sie errichteten 750 Hütten.

Am 17. Februar wurden 21 Personen von den Adivasi gefangen genommen – die meisten Polizisten, Forstbeamte und einige angeheuerte Kräfte – die laut Adivasi Feuer im Wald gelegt hatten. Offensichtlich sollten die Adivasi unter der Beschuldigung, Feuer zu legen, aus dem Gebiet entfernt und in Haft genommen werden. Die Adivasi machten sich daran, bis zum Ende des Monats Februar die Region als selbstverwaltetes Gebiet auszuweisen.

Am 18. Februar kam der oberste Verwaltungschef (Collector) für Wayanad und sprach mit den von den Adivasi Festgesetzten. Nachdem deren Aussagen festgehalten wurden, kamen sie wieder frei. Ein großes Polizeiaufgebot wurde gesichtet.

Am 19. Februar lief die Polizei im Naturschutzgebiet von Wayanad Amok. Sie drang zusammen mit Forstbeamten in das Gebiet des Muthanga Range vor. Durch den Schusswaffengebrauch der Polizei kamen 15 Adivasi zu Tode. Die Presse hatte zunächst von 4 toten Adivasi und einem getöteten Polizisten berichtet. Viele wurden verletzt, viele wurden inhaftiert, unter ihnen die Führungspersonen C.K. Janu, die Sprecherin der großen Adivasi-Versammlung (Adivasi Gothra Mahasaba) und Geethanandan, den Sprecher der Adivasi-Dalit Versammlung (Adivasi-Dalit Samara Samithy). Ebenso von der Polizei angegriffen wurden die Pressevertreter; sie wurden abgedrängt, Kameras wurden unbrauchbar gemacht.

Die angespannte Situation in der Region dauert fort.

(Übersetzung: Theodor Rathgeber)

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