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Dringende
Anliegen:
Sie
haben Janu am Sonnabend, dem 22. Februar, am Morgen gefasst.
Gegen
10.30 Uhr, stand eine Gruppe betrunkener Männer vor der
Polizeistation und
forderte ihr Blut. Selbst eine Frau, wurde mir ganz übel und mein
Blut
erstarrte, wenn ich daran dachte, was wohl in dem Gefängnis
geschehen würde.
Journalisten, die einen Blick auf sie hatten werfen können, haben
gesagt, dass
sie bereits geschlagen worden sei. Ihr Gesicht war geschwollen und
aufgedunsen.
Fernsehaufnahmen bestätigten dies.
Dennoch habe ich
ganz offiziell
bei der Polizei, Leuten aus dem weiteren Umfeld und Augenzeugen
nachgeforscht
und bestätigt bekommen, dass Janu während der Geiselnahme und
den folgenden
Misshandlungen des Polizisten Vinod nicht gesehen worden war. Sie war
in keiner
Weise in die Gewalt involviert. Sie wurde nicht einmal während der
erfolgreichen Verhandlungen, die mit dem Distriktpräsident
(Collector) Gopalan
und dem stellvertretenden Polizeichef geführt worden waren, und
die zur
Freilassung der Geiseln geführt hatten, gesehen. Andere, allesamt
Männer, gaben
die Befehle. Warum dann wurde sie wie ein weiblicher Veerapan
behandelt? Sie
kann beschuldigt werden, ihre Leute zur Landbesetzung geführt zu
haben,
sicherlich illegal nach dem Gesetz, aber auf keine Weise bösartig,
extremistisch oder terroristisch.
Ich habe Janu das
erste Mal 1990
getroffen als ich für ‚Frontline‘ über Adivasi Sangamam
berichtete. Sie war ein
unerfahrenes Mädchen. Trotz ihrer Unerfahrenheit konnte sie schon
damals
feurige Reden halten. Die Grundlagen ihrer Führungsqualitäten
waren bereits
gelegt. Ihr Wandel von einer jungen, wenig erfahrenen Adivasi Frau zu
einer
aufwieglerischen Führungsperson ist unglaublich. Alle, die
für die
Menschenrechte gekämpft haben, werden ihr für ihren Mut und
ihre
Entschlossenheit für ihre Leute zu kämpfen Achtung zollen.
Sie hat allein auf
sich gestellt eine schwierige Aufgabe angepackt. Es war ihr Schlachtruf
„Land
ist unser Geburtsrecht“ der Adivasi aus allen Ecken Keralas nach
Muthanga
gebracht hatte. Sie kamen mit ihren armseligen Besitztümern auf
der Suche nach
dem gelobten Land. Als ich dort in den geräumten Behausungen stand
und auf die
Trümmer ihres Lebens starrte, überwältigten mich die
Gefühle. Töpfe und
Pfannen, unwiederbringlich zerschlagen, zerrissene Kleider, eine
Kindersandale
verloren auf panischer Flucht, der billigste Reis schlechtester
Qualität, ein
paar Stücke von Jams und Tapioka, eine Flasche mit Medizin gegen
Krätze. Alle,
die mit den ärmsten der Adivasi gearbeitet haben, würden
diese Besitztümer der
von Armut Bedrückten wiedererkennen. Alles, was sie auf Erden
besaßen, haben
sie verlassen, als die Polizei vorrückte und gnadenlos um sich
schlug. Weder
Kinder noch schwangere Frauen wurden verschont.
Janu ist jetzt im
Gefängnis von
Kozhikode. Und hunderte von Adivasi, deren einziges Verbrechen war,
dass sie
doch noch daran glaubten, dass sie Land erhalten würden,
schmachten in
verschiedenen Gefängnissen in Kerala. Dass die Polizei den Kopf
des Mannes
fordert, der auf den Polizisten Vinod eingehackt hat, ist
verständlich. Aber
ungezügelte, unmenschliche Gewalt auf unschuldige Frauen und
Kinder loszulassen
ist nicht akzeptabel in einer zivilisierten Gesellschaft. Und alle, die
für die
Menschenrechte eintreten als Naxaliten, LTTE- oder PDP-Angehörigen
zu
brandmarken ist lächerlich - aber typisch.
1) Worum es jetzt
unmittelbar
geht, ist das Gerechtigkeit geschieht. Jeder Augenzeuge
einschließlich des
Distriktpräsidenten teilte uns mit, dass Janu keine Befehle
gegeben hat, weder
an den Verhandlungen teilgenommen hat noch während der Gewalttaten
auch nur
gesehen worden ist. Dennoch wurde sie brutal zusammengeschlagen. Ihr
Anwalt
Joseph Matthew und sein Assistent Shyju Manisseril durften sie sehen,
aber
Freilassung auf Kaution wurde nicht zugelassen.
Shyju berichtete Frontline: Janu wurde in
grober
Missachtung des Gesetzes, ohne Hinzuziehung auch nur einer weiblichen
Polizistin, verhaftet. Die Polizei begann sofort damit, sie zu
schlagen. Sie
wurde geschlagen, mit den schweren Stiefeln getreten und mit Lathis (langen Holzstöcken, Anm. des Übers.)
geschlagen. Auf dem ganzen Weg zur Polizeistation fuhren sie damit fort
und in
dem Polizeitransporter wurde ihr Kopf gegen den Wagen geschlagen. Trotz
des
offensichtlichen Gegenteils wurde sie des Mordes, der versuchten
Tötung und der
Entführung angeklagt. Dieses sind Verbrechen, die eine Freilassung
auf Kaution
nicht zulassen. Arundhati Roy, die Janu gesehen hat und mit ihr sprach,
bestätigte den Sachverhalt, dass sie geschlagen worden ist.
2) Hunderte von
Adivasi, die im
Gefängnis schmachten müssen medizinische und juristische
Hilfe erhalten. Frauen
und Kinder wurden mittlerweile auf Anordnung des
Ministerpräsidenten entlassen.
Aber alte Männer und einfache, ungebildete, naive Leute, die nur
vor Ort waren,
weil sie glaubten, dass sie Land bekommen würden, die niemals
zuvor in
gewalttätige Auseinandersetzungen verwickelt waren und die
geschockt sind von
dem was geschah sind immer noch inhaftiert.
3) Alle, denen
ihre gesamte Habe
von der Polizei verbrannt worden ist, als das Gelände geräumt
wurde, sollten
umgehend Entschädigung erhalten. Wiedergutmachung sollte allen
Opfern der
Polizeigewalt gezahlt werden. Bis jetzt hat die Regierung
Ersatzleistungen nur
für die Familien des verstorbenen Polizisten Vinod
angekündigt. Die
Wiedergutmachung sollte sofort in Kraft treten.
4) Eine
gerichtliche Untersuchung
der Vorfälle ist absolut notwendig, damit ein ungefärbter
Bericht herauskommen
kann. Die Zeitung von Madhyamam hat fotografische Belege über drei
tote Körper
am 20.2.03. Die Polizei besteht darauf, dass nur einer gestorben ist.
Sonnabend
den 23. wurde ich Zeugin einer Polizeiaktion, bei der mit
schussbereiter Waffe
der Wald durchkämmt wurde. Die Polizisten gingen von drei Seiten
und in
perfekter Kampfmanier vor. Der leitende Offizier bestand darauf, dass
es eine
Routineaktion sei, obwohl er mit schussbereitem Revolver voranging.
Ich
bat einen Wildhüter um ein Interview. Er sagte mir für den
Abend, nach der
„Operation“, zu. Ich habe bis 22.00 Uhr gewartet, aber er war immer
noch nicht
aus Muthanga zurück. Die „Operation“ war offensichtlich noch nicht
zu ende.
Ortsansässige berichteten, dass sie Schüsse gehört
hätten. Sie sind davon
überzeugt, dass die Polizei etwas verheimlicht. Personen vor Ort
berichten von
sporadischen Schüssen noch eine Woche nach dem Vorfall.
Dass
die Presse und die Zivilgesellschaft in dem sozial bewussten Staat
Kerala von
ihrer Suche nach der Wahrheit abgehalten werden sollten, ist
unglaublich.
Augenzeugen, die am 19.2. anwesend waren, sind sich sicher, dass
zwischen 15
und 20 Personen getötet worden seien. Die Bevölkerung in den
Dörfern ringsum
schätzen mehr. Die Leichen wurden mittlerweile wahrscheinlich
verbrannt. Die
Zahl der Verschwundenen, und davon gibt es Hunderte muss von
kompetenter Stelle
geprüft werden. Die Akten wurden von der Polizei im lokalen
Büro der Adivasi
Gothra Sabha beschlagnahmt. Nur eine gerichtliche Untersuchung kann
sicherstellen, dass die Zahl der Vermissten und Verschwundenen
festgestellt
wird und schließlich, wie viele wohl getötet worden sind.
Kerala
ist stolz darauf, der fortschrittlichste, zivilisierteste Staat Indiens
zu
sein. Kann der Ministerpräsident Anthony, trotz der Opposition,
sicherstellen,
dass Kerala nicht zu einem Synonym von Gujarat und Bihar wird. Im
Moment ist
das Leben für die Adivasi in Wayanad die Hölle – in Gottes
eigenem Land.
Mari
Marcel Thekaekara
(Übers.
E.v.d.Heyde)
Aus:
Frontline
*************************
Was
geschah wirklich in
Muthanga?
Abfolge der Ereignisse nach den
Augenzeugenberichten
Ich habe aus den Augenzeugenberichten die
zeitliche
Abfolge der Ereignisse erschlossen. Es war ein Alptraum, da die
Ereignisse
innere Widersprüche ausschließend Stück für
Stück schmerzhaft zusammengesetzt
werden mussten. Aber ich dachte es sei wichtig, ob es nun Verwendung
finden
wird oder nicht.
Alle
Namen und Adressen sind bekannt, aber die Dorfbewohner baten darum,
anonym
bleiben zu dürfen, da sie von der Polizei bedroht wurden - sogar
in meiner
Anwesenheit.
Alle
waren überzeugt, Adivasi konnten das nicht getan haben.
Polizisten,
Lokalbevölkerung, Forstbeamte und die Verwaltung, alle die wir
interviewten,
bestätigten, dass die Adivasi eine nicht gewalttätige, nicht
aggressive
Gemeinschaft wären.
Dennoch
ereignete sich am 19.Februar 2003 in Muthanga, im Wayanad Distrikt,
Kerala, ein
gewaltsamer Zusammenstoss, an dessen Ende ein Polizist und ein Adivasi
offiziell als tot erklärt wurden. Die Geschichten, die danach
umgingen waren
zum Teil widersprüchlich. Es war schier unmöglich die
Wahrheit daraus
abzuschätzen. Vieles ergab keinen Sinn.
Der
erste Bericht besagte, dass Extremisten, die PWG, PDP und LTTE
beteiligt
gewesen wären.
Um
ein klareres Bild zu bekommen, interviewten wir Augenzeugen. Wir
befragten sie
eingehend, um Zweifel auszuräumen, bis die Geschichten einen
Zusammenhang
ergaben.
Die
offizielle Version bekamen wir von dem Distriktpräsidenten in
Kalpetta. Es war
nicht möglich die Verantwortlichen der Polizei zu befragen. Janu
war gerade
inhaftiert worden und niemand stand für einen Kommentar zu
Verfügung.
„Die
Situation war
anderthalb Monate lang friedlich“, fragte ich „was beförderte die
Gewalt?“
„Es
war die Geiselnahme“, sagte er.
Wir
entschieden am Anfang zu beginnen.
Die Adivasi
begannen am 1. Januar
in das Gebiet zu kommen. Bis zum 30. Dezember 2002 war ihnen Land
versprochen
worden.
„Ich war auf Urlaub“, sagte der
Präsident. „Als ich davon
erfuhr, eilte ich zurück. Wir nahmen Verbindung mit Trivandrum
auf. Die
Regierung war der Auffassung, dass dies ein symbolischer Protest sei.
Die Leute
waren wirklich arm. Der Ministerpräsident hatte Mitleid. Ich bin
parteilich
ungebunden. Aber zum ersten Mal, trotz großer Opposition, hat
dieser CM einen
Prozess in die Wege geleitet, den Adivasi Land zu geben. Wir haben
einige
tausend Morgen Land identifiziert und Geldmittel bereitgestellt. Ich
habe bereits
Land verteilt. Also taten wir nichts anderes, als sie aufzufordern
herauszukommen.“
„Was
erregte den Ärger?“
fragte Frontline.
„Die
Forstbehörde hat Routinearbeiten durchgeführt und
Brandschneisen gelegt. Die
Adivasi dachten, es würde Feuer gelegt, um sie zu vertreiben und
sie ergriffen
am 17.2. 21 Personen. Da mir offiziell abgeraten wurde, in der Nacht
alleine in
den Wald zu gehen, ging ich am nächsten Tag. In der Zeit von 9.00
Uhr und 13.30
Uhr erreichen Dy SP Unni und ich die Freilassung aller Gefangenen. Wir
verhandelten mit der zweiten Garde ihrer Führung, mit Ashokan und
Haridasan.
Sie sind selber keine Adivasi. Die Verhandlungen und ihr Verhalten uns
gegenüber war herzlich und freundlich, in keiner Weise feindlich.
Janu war
nirgends zu sehen. Die Männer hatten alles unter Kontrolle.“
„Sie schafften hervorragende
Verhandlungen mit äußerster
Diplomatie und ohne jede Gewalt. Warum musste dann die Polizei am
nächsten Tag
erneut dorthin?“ fragte Frontline.
Die lokale
Bevölkerung war
aufgebracht, weil ihre Nachbarn als Geiseln genommen worden waren. Sie
haben
mein Auto angehalten und die Verhaftung der Verantwortlichen gefordert.
Zu
diesem Zeitpunkt hat die Regierung entschieden, mit der Räumung
fortzufahren“,
erklärte Gopalan.
Die Polizei ist
am nächsten Morgen
eingerückt. Der Distriktpräsident Gopalan war kein
Augenzeuge, weshalb wir die
Einwohner von Dörfern interviewten, die die Szenen der
Auseinandersetzungen
direkt einsehen konnten. Wir mussten volle Anonymität garantieren.
Alle waren
in großer Sorgen vor Vergeltungsmaßnahmen der Polizei.
Ayappan
(Name geändert) erzählte uns: „Es war eine
Eukalyptuspflanzung. Vor drei Jahren
wurde sie komplett abgeholzt.“ Dies ist immer noch deutlich zu sehen
und
veranlasste Richter Krishna Iyer, der den Ort besucht hat, zu fragen:
„Es ist
kein Wald, warum können sie das Land nicht den Adivasi geben?“
„Am
ersten Januar begannen die Adivasi in Gruppen anzukommen. Die Kunde,
dass sie
Land bekommen würden, hatte sich wie ein Lauffeuer verbreitet.
Noch als die
Polizei feuerte, kamen einige Adivasi an, die kleinen Bündel ihrer
weltlichen
Besitztümer dabei, und fragten ‚wo ist das Land, dass sie uns
geben?‘ Sie haben
sich in drei Gebieten eingerichtet Thagarapadi, Ponkhuzi und Ambukthy.
Die
Waldbehörde kam jeden Tag, umkreiste die Plätze,
kontrollierte und verschwand
wieder. Es war ziemlich friedlich. Die Leute gingen
Tagelöhner-Arbeit zu
verrichten und kamen am Abend zurück.
Nach
der Geiselnahme am 17.2. wurde die Lage angespannter. Am Morgen des 19.
kam die
Polizei an. Sie kündigten an, dass alle die Plätze zu
räumen hätten.
Ajeeb,
Photograph von Madhyamam, hatte keine Angst zu bezeugen:
„Wir
(die Presse), kamen am Morgen gegen 06.00 Uhr an. Die Nachrichten
hatten sich
ausgebreitet. Die Polizei war bereits da. Es war sehr ruhig. Die
Adivasi
wussten offensichtlich noch nicht, dass die Polizei anwesend war.
Keiner war
auf seinem Beobachtungsposten. Wir haben uns umgesehen.“
Mohammed
Sharif, Journalist von Madhyamam, berichtet, dass ein 800 Mann starkes
Aufgebot
der Polizei das Gebiet umstellt hatte. Sie begannen durchs Megaphon zu
rufen:
„Ihr müsst das Land räumen, das ihr gesetzwidrig besetzt
habt!“.
Gegen
10.30 Uhr wechselten die Wachen. Die Polizei schoss Tränengas.
Aber die
Anführer gingen um und sagten ‚nur keine Panik. Keine Eile. Nichts
wird
geschehen!‘ Sie waren erstaunlich. Sie gerieten nicht in Panik, nicht
einmal,
wenn die Tränengasgranaten sie trafen. Die Frauen beginnen ihre
Habseligkeiten
einzupacken, Kleidung, Reis, Gefäße und wickelten alles in
ihre Matten. Sie rechneten
nicht mit Gewalt. Die jungen Männer kamen an die Absperrung und
die
Polizeistöcke schlugen zu. Die Männer schwangen Macheten, die
Art, die jeder
Kerala-Bauer trägt, und Äxte. Einige hatten Schleudern, Pfeil
und Bogen.
Diese
Pfeil-und-Bogen-Geschichte hat mich verwirrt seit ich sie zum ersten
Mal
gelesen hatte. Nur die Mullukurumbas und Kurichiyas verwenden Pfeil und
Bogen.
Sie sind die einzigen Jägervölker. Die anderen sind
Nahrungs-Sammler. Die
Jäger-Adivasi, die die Bilder in der Zeitung gesehen haben,
lachten und sagten:
„Sie wissen nicht einmal, wie sie den Bogen richtig zu halten haben.
Wenn
richtige Bogenschützen dagewesen wären, wären die Pfeile
mit Geschwindigkeit
geflogen und wären durch die Polizei hindurchgegangen. Es
hätte nicht nur einen
Toten gegeben.“
„Paniyas,
Kattunaickens und
Adiyas wissen nicht wie man schießt,“ stellte ich fest. Ajeeb lachte. „Genau. Sie
haben sie nur benutzt um zu erschrecken. Schließlich als die
Polizei wirklich
angriff, haben sie die Bogen weggeworfen und die Pfeile mit der Hand
geschleudert, was natürlich keine Wirkung zeigte.“
„Da“,
fährt Ajeeb fort, „hat der Kampf richtig begonnen. Es war als
würde man einen
Krieg beobachten. Die Polizei rückte vor, dann schleuderten die
Adivasi Steine
und Messer. Dann wich die Polizei zurück. Die Adivasi wichen in
den dichten
Wald zurück und verbargen sich. Auch die Polizei ging weiter
zurück. Die
Adivasi setzten Büsche in Brand, um die Polizei zu vertreiben. Es
war komisch.
Ein Adivasi schleuderte eine Plastiktasche. Aber er hatte sie nicht
ordentlich
geöffnet. Sie enthielt Bienen. Soviel zu Adivasi –
Kriegshandlungen. Es ist
befremdlich zu bedenken, wie sie das berüchtigte ‚Bewaffnete
Polizei Bataillon
Keralas‘ (KAP) mit Schleudern, Messern, Stöcken und Bienen
bekämpfen!
Zu
diesem Zeitpunkt mit Feuer und Rauch floh die Polizei. Und ein Polizist
und
eine Forstbeamter liefen in die Arme der Adivasi. Sie wurden gefesselt.“
„Gegen
11.10 Uhr, im Perunkuzhi Wald“, so Sharif, „stießen eine Gruppe
von 10
Polizisten unter SI Unnikrishnan und Chathu auf eine etwa
100-köpfige AGS
Gruppe. Beide Seiten waren überrascht. Es kam zu einem direkten
Zusammenstoß.
Ein richtige Kampf. SI Unni zog seine Dienstpistole und begann zu
schießen.
Beide Seiten verteilten sich und rannen. Zwei SIs und drei
Polizistinnen waren
verwundet. Niemand weiß wie viele Adivasi verletzt worden sind.“
Der
stellvertretende SP Unni rief alle Kräfte zusammen, um gemeinsam
vorzugehen.
Gegen 11.40 Uhr begann die gesamte Polizeimacht mit einer
Such-Operation. Sie
rückten in zwei Gruppen vor und versammelten sich an einem
großen Unterstand.
Sie hörten den Schrei des Wachtmanns Aziz aus dem Kannur
Bataillon. Sein Bein
war schwer verwundet. Sie legten ihn auf eine Bahre und trugen ihn
fort. Ihre
Stimmung wandelte sich. Alle waren wütend. Sie rückten vor
Gewehre und Pistolen
schussbereit. „Ergebt euch sofort!“ schrien sie.
„Wir
werden unser Land nicht verlassen!“ riefen die Adivasi zurück.
„Wir
werden schießen. Ihr werdet sterben!“ warnte die Polizei.
AGS
Anführer Ashokan trat vor, riss sein Hemd auf,
entblößte seine Brust und
forderte sie heraus: „Tötet mich zuerst. Tötet uns alle –
Frauen, Kinder, fangt
schon an zu schießen!“
Die
Polizei feuerte neun Salven in die Luft. Sie gaben eine letzte Warnung.
Ashokan
zog seine Trumpfkarte. „Wir haben zwei eurer Leute. In dem Moment, in
dem ihr
anfangt zu schießen, werden wir sie töten.“
Der
stellv. SP Unni fragte „Wo sind die Geiseln?“ Einer hob das verwundete
Bein von
Polizist Vinod in die Höhe. Er lag auf den Boden und blutete
heftig.
Ajeeb
setzte die Geschichte fort. „Niemand hat gesehen, dass auf den
Polizisten mit
einem Messer eingehackt worden ist. Aber die Nachricht davon machte die
KAP
rasend. Sie gingen wie wütende Büffel vor. „Ihre Grausamkeit
war unglaublich.“
Ajeeb fährt fort: „Sie schlugen Frauen, kleine Kinder, alte
schwache Leute und
sogar Babys und Schwangere. Und sie schlugen mit voller Kraft zu, mit
ihren
Gewehren und Stöcken. Alle waren starke, muskulöse
Männer. So fielen viele
bewußtlos zu Boden. Sie kamen in Trupps und schlugen auch noch
bewusstlose
Körper. Wir habe gesehen, wie sie eines Mannes Bein in Stücke
schlugen und
immer weiter schlugen. Auch die Reporter von Deepika, Chandrika, Indian
Express
und Manorama waren da. Die einzigen Augenzeugen. Uns wurde übel
bei all der
Gewalt. Der vom Indian Express drehte durch, er beschimpfte die Polizei
mit
allen möglichen Worten, ohne Rücksicht auf ihre Reaktionen.
Wir sahen vier oder
fünf Körper. Wir haben Fotos von dreien. All dies bevor sie
das Feuer
eröffneten. Asianet hat Aufnahmen von dieser Gewalt gemacht und
sie in ganz
Kerala gesendet.
Sharifs
Erzählung geht weiter: „Gegen 12.20 Uhr trat der KAP Kreisleiter
vor: ‚Ashokan,
wir sind bereit zu verhandeln.‘ Ashokan antwortete: ‚Keine
Verhandlungen mit
der Polizei. Ihr verlasst unseren Wald.‘
Der
stellv. SP wandte sich an die Presse: ‚Ihr müsst vermitteln.‘
Ashokan bestand
auf einem Rückzug der Polizei. Sie wichen 50 Meter zurück.
‚Nicht nur der
verwundete Polizist auch die Adivasi brauchen medizinische Hilfe.
Bringt einen
Arzt in das Lager.‘ Die Polizei lehnte ab. ‚Ihr lasst die Verwundeten
gehen und
wir werden sie alle in Krankenhaus bringen.‘ Die Polizei missachtete
auch
Ashokans Forderung sich zurückzuziehen und dass der Collector
allen Adivasis
versichern sollte, dass sie nicht bestraft würden. Die Adivasi
verlangten auch,
dass der Distriktpräsident, oder ein Minister oder DIG Shankar
Reddy mit ihnen
verhandeln sollte.
CI
Sasidharan gab eine erneute Warnung: ‚Wir werden die Landfrage
diskutieren,
wenn ihr euch ergebt. Ihr kennt die Folgen für die Tötung
eines Polizisten.‘
Ashokan antwortete: ‚Ihr habt zwei von uns getötet. Wer gab die
Erlaubnis zu
schießen?. Selbst die Sitzung des Kabinets um 8.30 Uhr gab euch
nicht die
Erlaubnis auf uns zu schießen.‘ Die Presse fragte: ‚Woher
weißt du das?‘ Keine
Antwort. Ashokan teilte mit, dass der Polizist und die Adivasi sehr
schlimm
dran seien. ‚Holt sofort einen Arzt. Wenn die Verwundeten sterben,
werdet ihr
verantwortlich gehalten werden!‘ schloss er.
Sasidharan
bat die Presse erneut zu intervenieren. ‚Wir müssen auf irgendeine
Weise das
Leben des Polizisten retten‘, sagte er.
Der
Reporter von Madhyamam und der Kameramann von Kairali Shaji gingen rein.
„Es
war am Nachmittag so gegen 16.30 Uhr. Die Anführer luden uns ein,
alles zu
fotografieren was geschah. Ich ging hinter ihnen. Sie hatte um einen
Arzt
gebeten die Verwundeten zu behandeln, aber das war abgelehnt worden.
Sie sagten
mir, ich sollte den gefangenen Polizisten Fotografieren. Ich ging in
den
Verschlag und sah den Polizisten und den Forstbeamten. Sie waren in
extremer
Erschöpfung. Vinod war schwer verwundet und blau. Er bat um Wasser
und sie
gaben es ihm. Sie sagten mir, ich sollte fotografieren. Ich bekam es
mit der
Angst. Ich dachte, sie würden mich auch als Gefangenen nehmen. Ich
sah den
Anführer Geethanandan und bettelte, mich gehen zu lassen. Er
ließ mich gehen.“
Sharif
berichtet, dass Vinod und der Forstbeamte durchnässt von Blut
waren. Sie lagen
auf trockenem Stroh. Der Geruch von Kerosin war überall. Zwei
standen je auf
einer Seite mit brennenden Fackeln in die Höhe gereckt. Diese
extreme Drohung
war die einzig verbliebene Waffe, die Autoritäten zur Kapitulation
zu zwingen.
Der
stellv. SP Unni und Sasidharan waren frustriert. Sie baten die Presse
zu
vermitteln. Ashokan gab ein Ultimatum: „Lasst alle Adivasi frei. Nehmt
die
Verwundeten ins Krankenhaus. Zieht die Polizeikräfte zurück.
Entlasst die
Forstbeamten, die Feuer gelebt haben, uns zu vertreiben. Veranlasst
eine CBI
Untersuchung zu dem Waldbrand-Vorfall. Gebt Kompensation für die
Zerstörung von
Hütten und Eigentum der Adivasi. Setzt das Übereinkommen mit
den Adivasi um!“
Sasidharan
antwortete, dass es nicht in seinen Bereich falle, diese Forderungen zu
erfüllen. Ashokan antwortete: „Sie (die Verantwortlichen) sind in
Muthanga.
Bringt sie her!“ Die Verhandlungen gingen weiter.
Gegen
13.00 Uhr teilte Ashokan der Presse mit, dass der Polizist im Sterben
läge und
ein Arzt sofort kommen müsse. „Du läßt ihn frei, dass
er behandelt wird“, war
die Antwort der Polizei.
Um
17.10 kam die Polizei zurück. Die Adivasi erwarteten eine
Fortsetzung der
Verhandlungen.
Als
die Polizei sich entschloss, das Feuer zu eröffnen, forderten sie
die Presse
auf, zu gehen.
Um
17.20 begann die Polizei zu Schießen und überraschte sie
total.
Shaji
Pattanam vom TV Sender Kairali kletterte auf einen Baum und versteckte
sich. Er
und der Reporter von Madhyamam sind die einzigen Nicht-Partisan-Zeugen
des
Gemetzels, das nun begann. Seine Aufnahmen sind die einzigen Beweise
für das,
was geschah, nachdem die anderen Presse-Leute gezwungen worden waren zu
gehen.
Shaji
beschreibt die Szene:
„Als
die Polizei vorwärts rückte, nachdem sie uns aufgefordert
hatte zu gehen, bin
ich auf einen Baum geklettert. Die Adivasi riefen Slogans aber standen
weit weg.
Die Polizei griff zuerst an. Die Frauen fingen an zu schreien und
versuchten zu
laufen. Sie begannen zu schießen. Sie verwendeten 303-er
Munition, nicht
Gummigeschosse. Die die nicht schossen, schlugen mit ihren Stöcken
zu. Sie
zerrten die Frauen an ihren Haaren und schlugen sie bösartig.
Einem kleinen
Kind wurde der Kopf gespalten. Eine Schwangere fiel hin, aber sie
schlugen sie
weiter. Sie schlugen sogar noch auf Tote ein. Vielleicht waren sie
bewusstlos.
Aber wie du weißt, am Schauplatz eines Unfalls siehst du auch
instinktiv an der
Stellung, eine Person ist tot. Ich zählte vier oder fünf.“
„Dann
fiel ich vom Baum. Ein Beamter sah mich und schrie. Sie umringten mich.
Eine
Kugel schwirrte an meinem Gesicht vorbei, ich konnte sie riechen und
hörte den Drall.
Ein Polizist trat mich, ein anderer schlug meinen Kopf und ich fiel auf
meine
Kamera. Ich dachte, ich würde sterben. Ich warf meine Kassette aus
und schob
sie vorne in meine Jeans.“
Sharif berichtet: „Als die Polizei zu
schießen begann,
wussten die Adivasi nicht was ihnen geschah. Sie begannen zu schreien.
Jogi,
der Typ, der mit der Fackel bei Vinod gestanden hatte, war der erste
der
getroffen wurde. Sofort hackte der Mann neben Vinod auf ihn ein. Er
wurde
sofort von der Polizei verhaftet. Dann hörten wir ohne Pause
Gewehrschüsse.
Schmerzvolle Schreie. Leute rannten. Die Polizei, in direkter
Verfolgung,
feuerten schonungslos auch auf Frauen und Kinder. Andere kamen hinter
ihnen mit
Gewehren und Stöcken auf sie einschlagend. Sie umringten mich und
sagten: ‚Wir
werden dich zusammen mit diesen Leuten begraben.‘ Es war Auge in Auge
mit dem
Tod. Ich weiß nicht mehr wie ich rannte und entkam.“
„Mindestens
15 Leute sind durch die Kugeln gefallen. Das ist, was ich gesehen habe.
Die
Polizei jagte und schoss auf Frauen und kleine Kinder. Niemand hat die
gezählt,
die dort gefallen und gestorben sind. Obwohl die Polizei und der CM
zunächst
von fünf toten Adivasi gesprochen hatten, wurde daraus später
einer. Da waren
Mitläufer, die der Polizei und den Forstleuten geholfen haben, die
Adivasi
einzufangen, die vor der Gewalt geflohen waren.“
„Offiziell
heißt es, dass Jogi durch ein Gummigeschoss gestorben ist. Gibt
es ein
Gummigeschoss, dass durch den Kopf hindurchgeht, von einer Seite zur
anderen?
Da war ein kleines Loch auf der einen Seite und ein großes auf
der anderen..
Sein Gehirn war draussen verspritzt. Das ermöglicht eine Vermutung
darüber,
welche Waffen benutzt worden sind. Es waren 303-er mit einer Reichweite
von
1km. Sie schossen auf Frauen und Kinder, die kaum 50m entfernt waren.“
Shaji,
der sich mit einigen Polizisten angefreundet hatte, fragte einen von
ihnen:
„Ich war dort und kenne die Wahrheit. Habt ihr all die Leichen
verbrannt. Der
Polizist lachte. ‚kaum nötig sie zu verbrennen. Sie sind alle
begraben in
Pakshi Pathalam‘ (ein abgelegener Platz im dichtesten Dschungel), nicht
mal
eine Fliege könnte sie finden.‘ Also liegt die Wahrheit tief
vergraben im dem
Wald mit den toten Körpern. Keine Regierungsstelle will die
Wahrheit oder die
Leichen ausgraben. In Kerala, heute, zählt das nicht. Sie waren
nur Adivasi.
Wen kümmert es wo sie schlafen oder wie sie sterben?“
Mari
Marcel Thekaekara
*************************
Bewohner
der angrenzenden Orte sind sich sicher, dass zwischen 15 und 20
Körper
verbrannt worden sind nach dem Gemetzel. „Nachdem der Platz in Brand
gesteckt
worden war und alles zu Asche verbrannt war, haben sie mit Bulldozern
und
Elefanten alle Beweisspuren beseitigt.“
Sie
sind empört über die fortlaufenden Aktionen. „Die Polizei
dringt in Adivasi
Dörfer ein und bringt Leute auf. Auch Frauen werden mitgenommen.
Sie greifen
die ärmsten Adivasi, Paniyas, Kattunaickens, Adiyas, die sich
nicht widersetzen
können und keinen Schimmer haben, was sie getan haben sollen. Es
ist ein
Regiment des Terrors. Sie sind in Pullithukki, Thelampatta und
Nambikolli
eingedrungen. In dem letztgenannten haben sie Janu gefunden. Einige
Gothra
Samiti Leute wohnen dort. So sind die Leute besorgt um die kommenden
Tage. Die
Jagd geht weiter und während die Polizei alles Recht hat nach
Flüchtigen zu
suchen, was ist der Grund Männer und Frauen zu schlagen, die
offensichtlich
unschuldig sind?“ fragen die Adivasi von Wayanad.
Mari Marcel
Thekaekara
Mehr ...
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