Besonders schön war, dass auch vier indische Gäste (Adivasi) das Motiv authentisch mitgestalteten und es parallel zu den Malgruppen vielfältige Angebote für Austausch und Begegnung untereinander gab. Zu sehen ist das Wandbild jetzt im Aufenthaltsraum des Hölderlin-Gymnasiums in Lauffen, das eine lange Partnerschaft mit den Adivasi und insbesondere mit der Adivasi-Schule in den südindischen Nilgiris-Bergen verbindet.

Dies ist das fertige Wandbild: 80 cm hoch, 280 cm breit

Wandbild Triptychon

Bei der Vernissage erläutert der mitwirkende Schüler Jakob W. das Bild so:

"Unterschiede werden deutlich an der Natur, an den Menschen und an ihrer Lebensweise: Auf deutscher Seite ist eine Familie zu sehen, im Hintergrund ein Einfamilienhaus, eingebettet in eine hügelige, meist grüne Herbstlandschaft. Auf indischer Seite ist das kleine Haus aus Lehm gebaut, dahinter blühende Bäume, trockene Erde und ein Warnschild „Caution! Elephants crossing“. Eine Person trägt einen Wasserbehälter. Selbstverständlich ist die Familie im Vordergrund anders gekleidet. Aber auch innerhalb der Familie sind sie voneinander unterscheidbar. Die ältere Frau trägt traditionelle Tracht, die zwei Kinder tragen eher westliche Kleidung, denn der gesellschaftliche Wandel ist in Indien überall stark spürbar - und wir wollen die vielfältige Wirklichkeit zeigen, keine Klischees bestärken. Alle Generationen sind vereint, sowie auch bei unseren Projekten die generationenübergreifende Zusammenarbeit immer besonders fruchtbar ist.
Aber viel wichtiger als die Unterschiede sind die Gemeinsamkeiten: Obwohl durch die zwei Bildseiten getrennt, wenden sich die Personen aus beiden Ländern interessiert und fröhlich einander zu und betrachten die Teepflanze in der Mitte. Sie steht für die Partnerschaft von Adivasi-Tee-Projekt und Eine-Welt-AG mit den Adivasi. Denn Tee ist ein zentrales Element in der Partnerschaft: Ehemals landlose Adivasi erstritten sich Landtitel und bauten zur Sicherung von Landbesitz und Einkommen Tee an. Unsere indischen Partnerorganisation kaufte eine Teeplantage, für deren zinslosen Kredit wir Spenden einwarben. Inzwischen ist sie abbezahlt, damit ist aber nicht die Partnerschaft beendet. Ganz imGegenteil! Die Kinder aus Indien und Deutschland pflegen auf dem Bild gemeinsam die junge Pflanze: Wasser, Erde und ein bisschen Liebe. Die Pflanze wie die Kinder stehen dafür, dass unser Engagement auch in der jungen Generation weiterlebt und die „Teeblätter“ unserer Arbeit Ertrag bringen. So hält je eine jugendliche Deutsche und eine jugendlich Adivasi eine Teetasse in der Hand, sie genießen bereits den leckeren Adivasi-Tee.
Während die Teepflanze für die Zukunft steht, kann der Baum dahinter das bereits Erreichte symbolisieren. Groß, stark und breit steht er da, seine Äste beschatten die Tätigkeit der jungen Generation und verbinden beide Bildhälften. Sein Stamm ist zweifarbig; hell und dunkel verwachsen miteinander. Dies steht für die enge Gemeinschaft unserer Partnerschaft.
Gemeinsam legen wir auch Wert auf Bildung. Deshalb lesen und lernen auf beiden Bildhälften Jugendliche. Adivasi-Tee-Projekt und Hölderlin-Gymnasium unterstützen die Adivasi-Schulen mit Aktionen, Spenden, Austausch für gemeinsame Bildungsarbeit, neuerdings auch mit Englisch-Tandems. In Deutschland finden Bildungsveranstaltungen in Schulen, Kirchengemeinden, Eine-Welt-Läden u.a. statt - für Globales Lernen und entwicklungsbezogene Bildung für eine nachhaltigere Zukunft. Wir bieten inzwischen ein vielfältiges Angebot an Bildungsmaterialien zum Ausleihen. Aber schließlich bleibt der Höhepunkt unserer Bildungsarbeit der alle zwei Jahre stattfindende Besuch einer Adivasi-Gruppe in Deutschland mit vielen Veranstaltungen und Gelegenheit zum Austausch.
Zum Schluss bleibt mein Blick an der blonden Frau hängen. Freudig, neugierig und von interessanten Erfahrungen erfüllt blickt sie den Betrachter an. Einladend, als wollte sie sagen: 'Möchtest auch du besondere Erfahrungen machen und unser Projekt kennenlernen? Ich bin mir sicher, es gefällt dir und du kannst etwas beitragen!'"

Unsere erste Erfahrung mit einem mehrtägigen kreativen Projekt war ein voller Erfolg.

Beigetragen haben zu diesem Wandbild alle 22 Teilnehmenden gleichermaßen, darunter vier indische Gäste und 15 Schüler*innen. Unsere Partnerschaft haben wir noch durch einen anderen Akt symbolisiert: Als letztes wurden die beiden Teetassen (die in weißer Farbe bewusst vom bunten Bild abstechen) jeweils mit einem Goldrand verziert: Die Teetasse auf der deutschen Bildseite wurde von einem Adivasi gemalt, die Teetasse auf indischer Seite von einer Schülerin in Deutschland. 

"Das müssen wir unbedingt wiederholen", meint nicht nur die mitwirkende Schülerin Marisol.
Sehr gern - vielleicht gemeinsam mit Ihnen?